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Taunusstein: Das Museum im Wehener Schloss zeigt noch bis zum 19. Februar Arbeiten von Dimitri Svetchnikov

Pressemeldung vom 15. Dezember 2016, 12:46 Uhr

Der russische Maler Dimitri Svetchnikov lebt und arbeitet in der Ukraine.

Svetchnikov ist 1957 in Chorol, in der damaligen Sowjetunion, geboren. Als Militärangehöriger wird sein Vater in einem rotierenden System immer wieder versetzt. Unter anderem auch nach Wladiwostok im äußersten Osten. Von dort aus führt der Weg nach Poltava in die Ukraine, die damals noch eine Sowjetrepublik ist. Svetchnikov studiert an der Kunstakademie im nahegelegenen Charkow. Sein Schwerpunkt ist die Portraitmalerei. Die pädagogische Ausbildung zum Kunstlehrer soll das finanzielle Standbein abgeben. Allerdings werden Lehrer nur schlecht bezahlt. Svetchnikov wechselt deshalb in den Bereich der Agitpropkunst. Agitation und Propaganda bieten ein festes Einkommen auf hohem Niveau. Der Bedarf an Lenin, Marx und Engels, Stalin oder Breschnew in jeglicher Größe garantiert über lange Zeit Aufträge und Lebensstandard. Jedoch verringert sich der Bedarf an dieser Form der angewandten Kunst unter Gorbatschow zunächst, bevor er unter Jelzin ganz wegbricht.

Der Sozialistische Realismus hat als staatstragender Stil ausgesorgt, gefragt sind jetzt individualisierte Stellungnahmen. Ein Teil Svetchnikovs Bildwelten erinnert entfernt an ältere stilistische Vorbilder. An die kubistischen Strömungen in der ganz jungen, noch revolutionären Sowjetunion, an die Arbeiten beispielsweise des Avantgardisten Kasimir Malewitsch.

Aber Svetchnikov lässt sich da nicht festlegen. Seine Bilder sind eben nicht nur von der Rückführung des Motivs auf vereinfachte kubische oder konstruktive Formen geprägt. Viele der Bilder, die auch gut Skulptur sein könnten, enthalten auf der inhaltlichen Ebene eben auch gerne surreale Einschläge. Wenn sich da ansatzweise das Gefühl von Rat- und Sprachlosigkeit, Verlorenheit und Isolation überträgt, dann ist das auch ein aktueller persönlicher Kommentar.

Diejenigen Arbeiten Dimitri Svetchnikovs, denen sich die Ausstellung im Wehener Schloss widmet, sind stille, oft introvertierte, bisweilen hermetische Statements, ohne Worte getroffen in einer auf Grundformen reduzierten Bildsprache. Die dreht sich immer wieder um das eine Thema, das mit einem Wort aber nicht einsilbig, vollumfänglich beschrieben ist: Menschen.

Museum im Wehener Schloss, Weiherstr. 6, Taunusstein-Wehen

Öffnungszeiten: Di 10-13, Mi 10-20, Sa+So 14-17 Uhr

Ausstellungsdauer: noch bis 19.02.2017

Quelle: Stadt Taunusstein

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