Energiewechsel

Werra-Meißner-Kreis: Umsetzung der Energiewende wird Strompreise langfristig stabilisieren

Pressemeldung vom 25. Oktober 2012, 12:53 Uhr

Erster Kreisbeigeordneter Dr. Wallmann fordert Sozialstaffel statt Förderung von Stromgroßverbrauchern

In den letzten Wochen erfolgte in der Öffentlichkeit eine sehr intensive Diskussion über die Strompreise für private Haushalte. Dabei wurde immer wieder der Eindruck vermittelt, dass die Erneuerbaren Energien bzw. die Energiewende alleinig für die Preissteigerungen verantwortlich wären.

„Da der Werra-Meißner-Kreis durch das Klimaschutzkonzept, ebenso wie das Land Hessen durch den hessischen Energiegipfel, beschlossen hat, bis zum Jahr 2050 vollständig auf Erneuerbare Energien im Strom- und Wärmebereich umzustellen, ist es notwendig, alle Aspekte der Energiewende mit ihren Auswirkungen auf die Energiekosten umfänglich und objektiv zu betrachten“, so Erster Kreisbeigeordneter Rainer Wallmann. Im Einzelnen verweist Dr. Wallmann dabei auf folgende Punkte:

Die Strompreissteigerungen der letzten Jahre wurden keineswegs allein durch die Erneuerbare-Energien-Umlage (EEG-Umlage) verursacht: In den letzten 11 Jahren ist der Strompreis um ca. 11,3 Cent gestiegen, während die EEG-Umlage im gleichen Zeitraum nur um 3,6 Cent angestiegen ist.
Die Strompreissteigerungen sind vielmehr durch steigende Rohstoffkosten für fossile Kraftwerke (insb. Kohle und Gas), Stromtransport und Steuern zu erklären.
Darüber hinaus hat die Bundesregierung eine erhebliche Befreiung zahlreicher Industriebetriebe von der EEG-Umlage – im Umfang von jährlich ca. 4-5 Mrd. Euro – beschlossen, die letztendlich durch eine entsprechend erhöhte EEG-Umlage von den privaten Haushalten und den mittelständischen Betrieben mitbezahlt werden muss.
Der Börsenstrompreis ist in den letzten Jahren deutlich gesunken, da insbesondere Photovoltaikanlagen in der Mittagszeit sonniger Tage teure Spitzenlastkraftwerke ersetzt haben. Dieser Preisvorteil beim Stromeinkauf wurde jedoch von den Stromkonzernen nicht an die Verbraucher weitergegeben.
Die Stromerzeugungskosten für Erneuerbare Energien sind in den letzten Jahren durch das EEG erheblich gesunken, so dass z.B. der Eigenverbrauch von Solarstrom – auch ohne EEG-Förderung – mittlerweile deutlich kostengünstiger als der Strombezug über die Energieversorger ist.
Mittel- bis langfristig betrachtet werden die Stromkosten für fossil und atomar betriebene Kraftwerke – nach Prognose des Fraunhofer-Instituts ISE – weiter deutlich steigen und zukünftig über den Kosten für erneuerbaren Strom liegen.
Die Stromerzeugung mittels Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken wurde in den letzten Jahren erheblich stärker subventioniert als die Erneuerbaren Energieträger. Da diese Förderung jedoch über den allgemeinen Steuerhaushalt finanziert wird, ist sie nicht direkt in der Stromrechnung ausgewiesen, entspräche jedoch ca. 10 Cent je Kilowattstunde.
Die durch die Verbrennung fossiler Energieträger (Erdöl, Erdgas und Kohle) verursachten erheblichen Umweltfolgekosten, wie z.B. der Ausgleich der Klimabelastungen, sind beim heutigen Strompreis ebenfalls nicht ausgewiesen und werden über das allgemeine Steueraufkommen finanziert.
Der derzeit stattfindende massive Ausbau der Offshore-Windkraft, der durch die Bundesregierung mit 15 Mrd. Euro unterstützt wird, ist einerseits erheblich teurer als die Stromerzeugung durch Windkraftanlagen im Binnenland und führt andererseits zu erheblichen Problemen beim Netzanschluss bzw. bei der Verteilung dieser umfangreichen Strommengen. Das Risiko des Netzanschlusses für Offshore-Windparks wird zukünftig, gemäß Beschluss der Bundesregierung, über die EEG-Umlage an die privaten Verbraucher und die mittelständischen Unternehmen abgeleitet.

„Zusammenfassend“, so stellt Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann fest, „kommt es zwar durch die Energiewende zu kurzfristigen Mehrkosten, die jedoch mittel- bis langfristig durch die kostengünstigere und umweltfreundlichere Strom- und Wärmeproduktion aus Erneuerbaren Energien ausgeglichen werden. Vor diesem Hintergrund kommt auch das Bundesumweltministerium zu der Aussage, dass Erneuerbare Energien den Strompreis langfristig stabilisieren. Der Werra-Meißner-Kreis ist demnach mit der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes auf dem richtigen Weg. Darüber hinaus darf auch nicht übersehen werden, dass neben den Vorteilen beim Klimaschutz durch die Energiewende auch ein großes Potenzial regionaler Wertschöpfung im Kreisgebiet besteht“.

„Die Bundesregierung ist aufgefordert, die Energiewende konsequent und sozialverträglich umzusetzen. Dazu gehört“, so Dr. Wallmann weiter, „nicht die pauschale Förderung industrieller Stromgroßverbraucher, sondern vielmehr eine Sozialstaffelung beim Strompreis für weniger finanzstarke Privathaushalte.“

Letztendlich bleibt dem Verbraucher auch die Möglichkeit, durch Anpassung des Nutzerverhaltens, z.B. Verzicht auf unnötige Beleuchtung, sowie durch Einsatz stromsparender Technik, z.B. LED-Beleuchtung, den Stromverbrauch zu reduzieren. Die Werratal Energie- und Umweltgesellschaft (WeGe) mbH, eine Tochter der Wirtschaftsfördergesellschaft (WFG) des Werra-Meißner-Kreises, führt in diesem Zusammenhang u.a. auch kostenlose Erstberatungen für private Haushalte und Gewerbebetriebe durch. Interessierte erreichen die WeGe unter der Rufnummer 05651-74470.

Quelle: Werra-Meißner-Kreis / Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis