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Wetteraukreis: Anti-Gewalt-Seminare für jugendliche Gewalttäter

Pressemeldung vom 23. September 2009, 13:58 Uhr

Wetteraukreis. „Jugendgewalt nimmt zu und auch unsere Jugendgerichtshilfe sucht nach Wegen, Gewalttätern mit erzieherischen Maßnahmen zu helfen“, sagt Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith. Seit September bietet die Jugendgerichtshilfe deshalb Anti-Gewalt-Seminare an, die in regelmäßigen Abständen stattfinden werden. Nicht jeder kann daran teilnehmen, die Zuweisung geht über das Gericht.

Tim rutscht öfter mal gefährlich die Hand aus. Seine letzte Tat: bei einem Streit in der Kneipe sah Tim irgendwann nur noch rot. Es kam zu einer Schlägerei, der Kneipenwirt wollte schlichten, doch Tim schlug wie wild um sich und dabei ging einiges zu Bruch. Es war nicht das erste Mal. Tims Karriere aus Sachbeschädigungen und Gewaltdelikten brachte ihm in der Vergangenheit schon in den Jugendarrest, doch diesmal droht dem 20 jährigen Jugendstrafe. Vor Gericht kommt er trotzdem noch mal mit dem blauen Auge davon. Der Richter setzt die Strafe zur Bewährung aus und macht Tim zur Auflage, ein Anti-Gewalt-Seminar zu besuchen.

„Seit einigen Jahren nimmt die Jugendgewalt zu“, sagt Kolja Riemenschneider, Sozialarbeiter bei der Jugendgerichtshilfe des Wetteraukreises. „Wir sehen das auch deutlich an den Statistiken zu den Delikten im Bereich Körperverletzung. In der Regel sind es Jungs, die aufeinander losgehen.“ Die Jugendgerichtshilfe sieht den großen Bedarf und möchte gerne erzieherisch auf die jugendlichen Gewalttäter einwirken, ihnen helfen, die Gewaltspirale zu durchbrechen und umzudenken. Sie sollen lernen, ihre Konflikte mit anderen Mitteln als reiner Gewalt zu lösen.

Bislang war es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugendgerichtshilfe nur begrenzt möglich, auf die Straftat bezogene erzieherische Mittel einzusetzen. So reifte die Idee, selbst die Sache in die Hand zu nehmen und den Katalog spezieller erzieherischer Maßnahmen zu erweitern. „Es geht uns um die Jugendlichen, die schon öfter mit Gewaltdelikten aufgefallen sind. Für sie haben wir ein Anti-Gewalt-Seminar entwickelt, das wir viermal jährlich in Bad Nauheim und Büdingen anbieten und das jeweils über einen Monat läuft“, sagt Riemenschneider. Zwei zertifizierte Anti-Aggressivitätstrainer leiten die Gruppe, an der derzeit zehn Jugendliche teilnehmen. Finanziell gespeist wird das Seminar aus einem Fonds von Bußgeldern, die durch die örtlichen Gerichte und Staatsanwaltschaften überwiesen werden. „Ich freue mich sehr, dass die Staatsanwälte und Richter auf unsere Idee eingegangen sind, und mit ihrer Anordnung von Bußgeldern in diesen Fonds die Möglichkeit schaffen, dass das Seminar durchgeführt werden kann“, sagt Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith.

Das Seminar ist das erste Projekt seiner Art. Ideen haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe noch genug in petto, doch ihre Verwirklichung ist immer auch abhängig von der Höhe des Finanztopfes.

Wer kann am Seminar teilnehmen?

Das Anti-Gewalt-Seminar richtet sich an Jugendliche vom 14. bis zum vollendeten 20. Lebensjahr, die schon mehrfach Delikte im Gewaltbereich begangen haben. Seminarziel ist es, für die eigene Person und das eigene Handeln zu sensibilisieren, der Frage nachzugehen, wie sich das Opfer fühlt. Vor Beginn des Seminars steht ein Vorgespräch mit Trainer und Cotrainer, bei dem die Regeln besprochen werden und die Hintergründe, die den Jugendlichen hierher gebracht haben. Im Seminar selbst wird das Thema Gewalt bearbeitet. Zwischen den Treffen gilt es, sich im Alltag zu bewähren und das im Seminar gelernte umzusetzen.
Quelle: Stadt Wetteraukreis – Pressestelle

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