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Wetteraukreis: Ausstellung im Friedberger Kreishaus zeigt die Gesichter der Armut

Pressemeldung vom 20. Juni 2011, 11:09 Uhr

Wetteraukreis (pdw). Armut in der Wetterau, Armut in Deutschland ist Thema einer Ausstellung mit Bildern und Fotografien, die derzeit im Friedberger Kreishaus zu sehen sind. Die jungen Künstler sind Schülerinnen und Schüler des Friedberger Burggymnasiums, die sich unter Leitung ihrer Lehrerin Silvia Adams mit dem Thema Armut künstlerisch auseinandersetzten.

Leere Hände, die sich zum Betrachter hin öffnen, ein heruntergekommener Straßenmusiker, ein in sich gekehrter Mann, an dem Passanten wie scheinbar aus einer anderen Welt vorbeihetzen, ein schmutziger Hausflur, der seine besten Jahre schon lange hinter sich hat: In echten und inszenierten Fotografien, in Zeichnungen und Bildern setzten sich 15 Schülerinnen und Schüler des Burggymnasiums mit dem öffentlichen Gesicht der Armut auseinander. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Silvia Adams versuchten sie den nicht einfachen Weg, sich einem schwierigen Thema zu nähern. Herausgekommen ist eine Ausstellung, die vom 14. Juni bis 5. August im Flur des Jugendamtes im Kreishaus in Friedberg zu sehen ist. Die Ausstellung entstand als Folge der Kooperationsveranstaltung „Starke Wetterau – Für Teilhabe und soziale Gerechtigkeit“ von Paritätischem Wohlfahrtsverband und Fachbereich Jugend, Familie und Soziales. Im vergangenen Jahr hatte Erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent Oswin Veith mit ihr das Europäische Jahr gegen Armut und Ausgrenzung auch in der Wetterau zum Thema gemacht.

Neun Prozent der Bevölkerung in der Wetterau sind von Armut betroffen. Ein im Vergleich zu anderen Regionen eher niedriger Wert, was sich nicht zuletzt der Zugehörigkeit der Region zum Rhein-Main-Gebiet verdankt. Trotzdem bedeuten neun Prozent rund 27.000 Menschen. Die Gründe für Armut sind vielfältig: Globalisierung, Strukturwandel, Arbeitslosigkeit, Krankheit.

Armut ist ein Problem mit vielen Gesichtern. In erster Linie gründet es sich auf geringem Einkommen, das die persönlichen Spielräume einengt. Unterversorgung, ungesunde Ernährung, Anfälligkeiten für Krankheiten, Ausgrenzung, Stigmatisierung und Isolation sind weitere Stichworte. Menschen sind aber auch arm an Ressourcen, an Teilhabe, an Verwirklichungschancen: Geringes Einkommen begrenzt auch die Wahlmöglichkeiten bei der beruflichen Aus- und Weiterbildung, oft reicht es nur zu geringfügiger oder befristeter Beschäftigung; die Folge sind Perspektivlosigkeit und Zukunftsängste.

Dass die ausgestellten Arbeiten „eine starke Präsentation“ sind, steht schon im ausliegenden Gästebuch. Landrat Joachim Arnold wünschte den Schülerinnen und Schülern, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema ihnen dazu verholfen hat, „Armut bewusster wahrzunehmen und sich vielleicht künftig sozialpolitisch zu engagieren.“

Kinder vor vererbter Armut schützen

Armut bedeutet für Kindern auch verbale Armut: „“Kinder aus armen Familien hören bis zum 4. Lebensjahr 30 Millionen Wörter weniger als andere Kinder“, steht denn auch in großen Lettern auf einem der Bilder der Ausstellung „Armut in der Wetterau“. „Wer als Kind in einer armen Familie lebt, hat ein hohes Risiko, auch im Erwachsenenalter aus der Armutsfalle nicht herauszukommen“, warnt Sozialdezernent Oswin Veith. Umso mehr gelte es, Kinder vor der Falle sozial vererbter Armut zu schützen und ihnen soweit es geht, den Zugang zu Bildung als wichtigem Sprungbrett zu erleichtern. Rund 6.500 Wetterauer Jungen und Mädchen haben seit diesem Jahr einen Anspruch aus dem Bildungs- und Teilhabepaket, „bei dem es ja vorrangig um Bildung geht“, so Veith, der sich wünscht, dass die neuen Angebote möglichst vielen Kindern und Jugendlichen zu Gute kommen. Sie eröffnen tatsächlich neue Bildungs- und Teilhabechancen.

Quelle: Wetteraukreis / Kommunikation und Gremienservice

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