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Wetteraukreis: Beweidung und Naturschutz passen gut zusammen

Pressemeldung vom 15. Juni 2011, 15:46 Uhr

Wetteraukreis (pdw). Beweidung und Naturschutz war Thema des Runden Tisches, zu dem LIFE-Projekt „Wetterauer Hutungen“ eingeladen hatte. Der Runde Tisch bringt Naturschützer und Flächennutzer, die meist Schaf- und Ziegenhalter sind, zusammen. Diesmal gab es eine Gebietsbesichtigung des Naturschutzgebiets „Magertriften von Ober-Mörlen und Ostheim“, das auch FFH-Gebiet ist.

Max Burk, ehrenamtlicher Schutzgebietsbetreuer, stellte das Gebiet vor. Es ist mit rund 75 Hektareines der größten Gebiete im Projektraum. Weite Teile sind von Streuobst und Mähwiesen geprägt. Es gibt viele Vogelarten, zum Beispiel Gartenrotschwanz, Wendehals, Baumfalke, vier Spechtarten, Steinkauz und mehrere Grasmückenarten. Beim Baumbestand sind die 20 Speierlinge sowie Walnuss, Esskastanie und Elsbeere besonders zu erwähnen. Sie alle sind wärmeliebend und deshalb am Taunussüdrand schon lange beheimatet. Der „Dicke Wilhelm“ ist der größte Speierling im Gebiet. Die Wiesenflächen werden extensiv bewirtschaftet, wobei auch darauf geachtet wird, dass bei der Mahd die Stücke zu verschiedenen Zeiten genutzt werden. Dadurch hat die Vogelwelt immer Flächen auf denen gut Futter zu finden ist.

Magerkeitszeiger und Wiesenblumen

Durch die fehlende Düngung haben sich Arten etablieren und ausbreiten können, die in gedüngtem Grünland verlorengehen. Es sind Magerkeitszeiger aber auch Wiesenblumen, die früher verbreitet waren. Gezeigt wurden zum Beispiel Kleiner Wiesenknopf, gelb blühender Hornklee und die Wiesenflockenblume. Bei den gemähten Wiesen findet später eine zweite Mahd oder eine Beweidung mit Schafen statt. Viele Wiesen werden auch ausschließlich beweidet.

Die Magerrasenflächen werden ebenfalls beweidet. Sie lassen sich nicht anders nutzen und haben sich dank der Schafbeweidung in den letzten Jahre gut entwickelt. Der natürlicherweise extrem trockene und magere Standort zeigte sich in sehr schütterer Vegetation mit vielen niedrigwüchsigen Arten. Auffällig war das Ruchgras das mit 20 bis 30 Zentimeter schon zu den größten Arten in den Flächen zählte und das Mausohr-Habichtskraut, das wegen der seit Wochen anhaltenden Trockenheit leider kaum blühte, aber durch die Teppiche seiner Blattrosetten ins Auge fiel. Weniger auffällig – aber bei näherem Hinsehen mit sehr schönen Blüten – war das Kreuzblümchen. Thema war auch der Umgang mit aufkommenden Gehölzen im Gebiet. Für die Vogelwelt und Artenvielfalt sind sogenannte Grenzlinien-Biotope, wie Hecken und lockere Einzelbüsche von unverzichtbarer Bedeutung. Sie werden allerdings punktuell beseitigt, wenn sie anderen Zielsetzungen entgegenstehen. Zum Teil werden diese Entbuschungen aus den üblichen Mitteln zur Gebietspflege finanziert, zum Teil übernimmt das LIFE-Projekt diese Arbeiten.

Unterstützung für die Beweidung

Seit vielen jahren weiden hier die Schafe der Schäferei Weißelberg statt, die inzwischen Wilhelm Weißelberg jun. als Bio-Betrieb führt. Die örtliche Naturschutzgruppe unterstützt ihn bei seiner Arbeit. Die Schäferei soll im Rahmen des LIFE-Projektes eine verbesserte Wasserversorgung erhalten. Auch die regionale Vermarktung von Lammfleisch wird im Zuge des von LIFE finanzierten „Wetterauer Lamm- und Landgenusses“, verstärkt. Das sind Aktionswochen, zu denen im September in vielen Gaststätten für Lammgerichte geworben wird. Es gibt dadurch inzwischen eine ganze Reihe von Metzgereien, die Lammfleisch aus der Region anbieten, zum Teil auch außerhalb der Aktion.

Der Rundgang durch das Gebiet zeigte sehr anschaulich, wie eine große Artenvielfalt durch den Wechsel von Huteweiden, Mäh- und Streuobstwiesen in einem Gebiet erhalten oder entwickelt werden kann. Speziell die Beweidung ist ein wichtiger Baustein in der Pflege der Flächen. Zum Abschluß der Veranstaltung konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gastfreundschaft des Schäfers genießen und zusehen, wie Schafe geschoren werden; eine der vielen Arbeiten, die für den Schäfer im Jahresverlauf anstehen.

LIFE-Projekt und FFH-Gebiete

Die EU hat ein Förderprogramm aufgelegt, mit dem unter anderem Naturschutz-Projekte finanziert werden können. Der Name des Projektes „LIFE“ steht dabei für „L‘ Instrument Financier pour l’Environnement“, umschreibt also Maßnahmen im Umweltbereich. Vorraussetzung ist, dass die Flächen in einem von der EU geschützten Gebiet liegen. Dazu gehören neben den EU-Vogelschutzgebieten auch FFH-Gebiete, wobei die Abkürzung „Flora, Fauna, Habitat“, also „Tiere, Pflanzen und Lebensräume“ bedeutet. Das LIFE-Projekt „Wetterauer Hutungen“ ist das erste LIFE-Projekt in Hessen und läuft von 2010 bis 2014. Es hat das Ziel, die traditionell schafbeweideten Hutungen der Region mit Ihrer typischen Artenvielfalt zu erhalten und zu entwickeln. Weitere Informationen: http://www.hmuelv.hessen.de.

Quelle: Wetteraukreis / Kommunikation und Gremienservice

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