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Wetteraukreis: Der WetterAusflug Von Wüstungen und Grenzwällen

Pressemeldung vom 12. August 2009, 13:16 Uhr

Wetteraukreis. Weglänge: elf Kilometer. Überwiegend geteerte und asphaltierte Wege, teilweise Feld- und Wiesenwege.
Reine Gehzeit: zweieinhalb Stunden.
Einkehrmöglichkeiten: in Gambach meist nach 17:00 Uhr oder in Münzenberg.
Parken in Gambach, Bürgerplatz

Die früher selbständige Gemeinde Gambach ist heute Teil der Stadt Münzenberg und deren größter Stadtteil. Dass ein kleinerer Stadtteil der nach der Gebietsreform gebildeten Kommune den Namen geben konnte, wurde an anderer Stelle ausgeglichen. Gambach stand Pate für das Kreuz an dem sich die Autobahnen 5 und 45 treffen. So ist heute der Name Gambach fast täglich im Radio zu hören: Gleich nach den Nachrichten, wenn die Verkehrsstaus gemeldet werden.

Unsere Wanderung beginnt unweit der evangelischen Kirche von Gambach. Wir parken in der Kirchgasse und gehen zunächst einmal in Richtung der evangelischen Kirche, die aus dem frühen 18. Jahrhundert stammt. Der imposante Turm misst mehr als 50 Meter. Bevor wir links in die Hauptstraße abbiegen, schauen wir uns noch rechter Hand das alte Rathaus aus dem 16. Jahrhundert an, wo man sich mit einiger Vorstellungskraft das Marktgeschehen früherer Zeiten in dem Dörfchen vorstellen kann. Ein Relikt aus dieser Zeit ist die eiserne „Gambacher Elle“, die mit ihren 26 Zoll (66 Zentimeter) noch heute auf der rechten Seite des Hallengeschosses an der Wand prangt. Im zweiten Stock dieses ältesten Gambacher Gebäudes ist heute das Heimatmuseum mit angeschlossener Heimatstube untergebracht (jeden 1. Sonntag im Monat bei freiem Eintritt geöffnet).

Auf unserem weiteren Weg geht die Hauptstraße dann in die Holzheimer Straße über. Ein kleines Stück dieser Landesstraße gehen wir noch in Richtung Pohlheim/Holzheim und biegen dann 200 Meter nach Ortsende nach links. Ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Altstädter Feld 1 bis 3“ weist uns den Weg unter der Autobahn hindurch. Der Radwegweiser weist in Richtung Langgöns/Kirch-Göns. Die jetzigen Streuobstwiesen westlich der Autobahn waren bis ins frühe 19. Jahrhundert überwiegend Weingärten, deren Erzeugnisse eine ganz passable Qualität aufwiesen, wie alte Quellen aus dem 18. Jahrhundert zweifelsfrei berichten.

Ein verlassenes Dorf
An der ersten Abzweigung folgen wir weiter dem Hinweis Altstädter Feld und kommen dann an einen großen Bauernhof mit Direktvermarktung. Wenn wir an dem Bauernhof vorbei in Richtung der Teichanlage gehen, brauchen wir etwas Phantasie. Hier stand einmal die Siedlung Alstadt, die erstmals im späten 8. Jahrhundert erwähnt wurde und zu der eine Mühle an diesem Bach gehörte. Bis etwa 1685 bestand diese Siedlung, dann wurde der letzte Hof verlassen und von dem Ort ist heute nur mehr der Flurname in Erinnerung. Von diesen Wüstungen gibt es eine ganze Reihe in der Wetterau. Die Gründe, warum sie verlassen wurden, sind vielfältig. Oft waren es knappe Ernten, die den Lebensunterhalt der Menschen nicht mehr sichern konnten oder es war die ungeschützte Lage einer Siedlung. Im 19. Jahrhundert sind ganze Dörfer geschlossen nach Amerika ausgewandert.

Wir gehen zurück zum Bauernhof und setzen unseren Weg nach rechts fort und laufen in Richtung Autobahn. Rechter Hand sehen wir noch einen weiteren Bauernhof, der bereits zu Holzheim gehört. Kurz vor der Autobahn halten wir uns links und gleich wieder links und kommen dann auf die unwirtlichen Reste eines Basaltwerkes. Viel interessanter aber ist der See, der sich hinter dem Zaun verbirgt. Das „Gambacher Loch“ entstand im Februar des Jahres 1979, als ein Stollen der ehemaligen Grube Wilhelm I auf etwa 40.000 Quadratmeter einstürzte. Die Trasse der benachbarten Autobahn musste durch Betoninjektionen gestützt werden. Das Loch ist bis heute nicht aufgefüllt und hat sich mittlerweile zu einem Refugium für seltene Tiere entwickelt. Die benachbarte Autobahn stört dabei überhaupt nicht.

Am Ende der eingezäunten Anlage halten wir uns links und gehen auf einem breiten groben Asphaltweg in Richtung Wald. Die nächste Kreuzung direkt am Waldrand bietet uns zwei Optionen: wir gehen nach rechts und erreichen noch den Limes oder einfach geradeaus und die nächste Möglichkeit nach links, um unseren Weg abzukürzen. Wenn wir rechts gehen, laufen wir ein Stück über offenes Feld und kommen dann erneut in einen Wald, in dem wir an der zweiten Abzweigung direkt den Limeswall durchstoßen.

Ein dicker und ein dünner Wald
Wir wenden uns nach links und gehen ein Stück des Limes direkt am Waldrand entlang. Nach knapp 500 Metern gehen wir nach rechts und gleich wieder nach links. Hier ist ein Bänkchen, das uns einen herrlichen Blick auf Kirch-Göns, den Taunus und das Giessener Land ermöglicht. Auf einem Grasweg gehen wir jetzt weiter, abermals am Waldrand entlang, und kommen nach weiteren 500 Metern erneut an eine Kreuzung, wo wir uns wieder links halten und das Wäldchen durchqueren. Dieser Wald heißt „Dicker Wald“, während der nächste zu durchwandernde Wald die Bezeichnung „Dünner Wald“ trägt. Kinder sollten hier unbedingt ihre Schritte zählen, um entscheiden zu können, ob diese Bezeichnungen zu Recht gewählt wurden.

Am Beginn des zweiten Waldstückes treffen wir auch auf die Abkürzungsstrecke. Jetzt heißt es immer nur der Nase nach. Jenseits des „Dünnen Waldes“ sollten wir aber noch einmal den Blick über die nördliche Wetterau bis hin zum Hoherodskopf schweifen lassen. Den Gambacher Kirchturm können wir von hier schon gut erkennen. Wir folgen nun dem sich weitenden Weg und sind in wenigen Minuten zurück am Ausgangspunkt.

Der Limes
Der Limes war vom ersten bis zum dritten nachchristlichen Jahrhundert die Grenze zwischen dem Römischen Reich und den Germanenstämmen. In der letzten Ausbaustufe Anfang des dritten Jahrhunderts war der Limes mit Wallgraben, Palisade und steinernen Wachtürmen in jeweils 500 Meter Abstand ausgestattet. Heute befinden sich die noch sichtbaren Reste dieser einst 500 Kilometer langen Grenzanlage auf der Liste der UNESCO als „Weltkulturerbe“.

Vetter Metz
In der Nähe des Ehlborns zu Gambach liegt der Pahr- oder Puhrdsgarten, neben diesem das Alstädter Feld, welches zu dem ausgegangenen Dorf Alstadt gehörte. Von dieser Gegend hat sich folgende Sage erhalten. Wenn in früherer Zeit junge ledige Burschen auf dem Alstädter Feld geackert hatten und vier Uhr hielten, setzten sie sich an den Ehlborn und tranken daraus. Wenn sie dann riefen
Vetter Metz,
Bring mir’n Plätz,
dann erschien in den Wiesen ein schön und fein gekleidetes Mädchen mit einem Plätz, trug ihn, über Wiesen und Felder im Gehen hinschwebend, zu einem Pflug und legte ihn auf die Rehhörner desselben. Dann schwebte es schnell nach den Wiesen zurück, brachte wieder einen Plätz und legte ihn auf die Rehhörner eines anderen Pfluges und so ging es, bis auf jedem Pflug ein Plätz lag. Dann verschwand es und liesz sich an dem Tage nicht wieder sehn. Die Bursche blieben aber mäuschenstill sitzen, bis die Metz fertig war, dann gingen sie zu den Pflügen und lieszen sich die Plätze recht gut schmecken. Konnte jedoch einer nicht warten, bis sie fertig war und holte sich früher seinen Plätz, so kam sie nicht wieder und die Rehhörner der anderen Pflüge blieben für dieszmal leer.

Aus: J.W. Wolf
Hessische Sagen, Göttingen 1853
Reprint Wiesbaden 1972

Singend wandern mit Landrat und Bürgermeister
Wer Lust hat, kann diese Wanderung auch gemeinsam mit anderen am Sonntag, dem 23. August 2009 in der Zeit von 14:00 bis 17:00 Uhr gemeinsam mit Landrat Joachim Arnold und Bürgermeister Hans-Jürgen Zeißmachen. Heimatforscher Hagen Vetter wird die Wanderinnen und Wanderer fachkundig durch die Gemarkung geleiten. Der Männerchor Edelweiß Gambach begleitet die Wanderer und lädt zum mitsingen ein.

Treffpunkt ist der Bürgerplatz, wo wir auch parken können

Quelle: Stadt Wetteraukreis – Pressestelle

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