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Wetteraukreis: Der WetterAusflug Tausend Jahre zwischen Laisbach und Hillersbachtal

Pressemeldung vom 1. Juni 2011, 16:22 Uhr

Weglänge: 12 Kilometer
Reine Gehzeit: 2 ½ Stunden, 250 Höhenmeter
Anfahrt: Entweder über die Bundesstraße 275 Lißberg, Abfahrt Schwickartshausen oder die Bundesstraße 457 Nidda über Wallernhausen und Fauerbach nach Schwickartshausen

Unsere heutige Wanderung führt uns in den Niddaer Stadtteil Schwickartshausen. Das Dörfchen mit seinen 280 Einwohnern liegt abseits der Durchgangsstraßen, zufällig kommt kaum jemand hierher. Schwickartshausen ist ein Dorf wie viele andere in der Wetterau, das mit der demografischen Entwicklung und dem Rückgang der Infrastruktur zu kämpfen hat.

„Swigershusum“ wurde erstmalig in einer Urkunde des Erzbischofs von Mainz im Jahre 1011 erwähnt. „Die 1.000-jährige Geschichte des Dorfes wird am zweiten Juni-Wochenende gefeiert. Am 10. Juni wird zum Festkommers geladen. Am 12. Juni gibt es dann ein Dorffest, historisch und neuzeitlich“, wie Doris Kuhl, Vorsitzendes des Ortsbeirates, mitteilt. In der für diesen besonderen Anlass erarbeiteten Chronik wird die Geschichte des Dorfes, aber auch der ganzen Region Oberhessen, erzählt, einst das Armenhaus des Großherzogtums Hessen-Darmstadt. Grund dafür war die Erbteilung, bei der Besitz nicht erhalten, sondern auf alle Kinder verteilt wurde. So wurden die Äcker immer schmäler. Blieb die Ernte aus, so nagten die Leute am Hungertuch.

Gleichwohl sind die Schwickartshäuser ein bodenständiges Völkchen. Nur der geht weg, der hier seinen Lebensunterhalt nicht mehr verdienen kann. Allerdings kommen auch kaum Neubürger hinzu. Die Bevölkerungszahl ist seit dem 16. Jahrhundert nahezu konstant, mit einigem Auf und Ab hat sie sich aber immer knapp unter 300 Seelen eingependelt. Mit einer Ausnahme: Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen mehr als 100 Flüchtlinge aus den Ostgebieten, die aber auch nur vorübergehend im Ort blieben. Ortsbild prägend ist die evangelische Kirche von Schwickartshausen. In der Denkmaltopographie des Wetteraukreises werden der lang gestreckte Saalbau mit einem eingezogenen Chor und dreiseitigem Schluss und der wehrhafte Westturm mit einfachem Rundbogenportal hervorgehoben. Die Kirche stammt wohl aus der Zeit um 1.200, Renovierungen gab es immer wieder. Interessant ist der buntbemalte Grabstein des Hieronymus von Waiblingen aus dem Jahre 1541. Wenn die Kirche verschlossen sein sollte, kann man es bei der Kirchendienerin versuchen; sie wohnt gegenüber in der Laisbachstraße 21.

Aus dem 16. Jahrhundert stammt auch eine Charakterstudie der Pfarrchronik. Darin heißt es: „Die Leute sind kirchlich gesinnt, arbeitsam, sparsam, dienstfertig, wohltätig, mitunter zum Trunk geneigt, etwas eigennützig.“ Was den Trunk angeht, so dient dafür nur eine einzige Kneipe im Ort. Die Kirche weist noch eine weitere Besonderheit auf: Das Kirchspiel, also die Kirchengemeinde, umfasst den Niddaer Stadtteil Schwickartshausen, den Ranstädter Ortsteil Bobenhausen und den Ortenberger Stadtteil Eckartsborn, eine Kirchengemeinde mit Gläubigen aus drei politischen Gemeinden.

Unsere Wanderung beginnen wir an der evangelischen Kirche. Hier haben wir noch die Gelegenheit, das historische Backhaus aus dem 18. Jahrhundert zu besichtigen. Es steht wegen seiner Bedeutung für das bäuerliche Leben am Ort als Kulturdenkmal unter Schutz. Nur einmal im Jahr wird das Backhaus angeheizt, dann werden hier zum Backhausfest an die 100 Brote und 70 Kuchen gebacken.

Wir gehen jetzt ein kurzes Stück die Schwickartshausen durchziehende Laisbachstraße in Richtung Lißberg, biegen in den Falltorweg nach links und verlassen das Dorf auf einem geteerten Weg, vorbei an Pferdekoppeln in die freie Feldflur. Links fließt gemächlich der Laisbach. Kurz vor der Brücke (1) wenden wir uns nach rechts und folgen einem ausgeprägten Hohlweg leicht bergan.

Der Weg führt uns entlang einer Weide, auf der Galloway-Rinder gehalten werden. Das Fell der urigen Tiere, die Wind und Wetter bestens aushalten, erinnert ein wenig an die Frisurenmode der 70er Jahre. Wir gehen auf diesem Hohlweg rund 700 Meter und nehmen die erste Abzweigung nach rechts und gehen in einen jungen Buchenwald hinein. Durchsetzt ist dieser Wald mit mächtigen Wildkirschen, die hier in großer Zahl wachsen.

Wir verlassen den Wald bald wieder, gehen nach links und laufen auf unserem bequemen Wirtschaftweg weiter. Einen guten halben Kilometer wandern wir jetzt am Waldrand entlang, um erneut in den Wald einzutreten, nun aber mit bedeutend stattlicheren Buchen. An der ersten Kreuzung gehen wir nach links (2).

Wer mag, kann hier einen kleinen Abstecher nach rechts machen und nach ungefähr 100 Meter kommt man an das Naturdenkmal „Drei Lärchen“, die es zu bewundern gilt. Die Nadelbäume entwachsen einem einzigen Stamm.

Jetzt gehen wir erst einmal 1 ½ Kilometer auf unserem Weg geradeaus. Wenn wir auf den Teerweg kommen wenden wir uns nach rechts in das Tal. Hier haben wir einen wunderbaren Blick über das Hillersbachtal, über Hirzenhain in Richtung Vogelsberg.

Wir gehen jetzt abwärts und stoßen wieder auf den Wald, an dessen Rand wir auf der Wiese weiter in Richtung Tal laufen. Vorher kommen wir noch an einer Buchenschonung vorbei (3). Das Holz wird frühestens unsere Enkel oder Urenkel wärmen. Wir passieren ein Brunnenhäuschen in einem umzäunten Gelände und wenden uns nach rechts, wo wir bald den Hillersbach überqueren. Wer mit Kindern unterwegs ist, der sollte hier unbedingt eine Rast einlegen.

Hinter der Brücke geht es gleich rechts weiter. Wir treffen jetzt auf den Niddaer Grenzweg, der mit einer schwarz-gelben Raute gekennzeichnet ist. Diesem Zeichen folgen wir jetzt bis auf weiteres. Wir stoßen bald auf einen kleinen Stausee, der mit dem Bau eines Wasserkraftwerkes entstand, durch das die OVAG umweltfreundlich Energie gewinnt (4). Vor dem See gehen wir abermals über die Brücke und laufen auf der rechten Seeseite. Gegenüber sehen wir das Soziotherapeutische Zentrum Haus Seeblick. Am Ende des Stausees überblicken wir noch einmal das schöne Areal. Dabei muss es aber bleiben, denn das Baden ist hier aus Sicherheitsgründen strengstens verboten.

Wir gehen weiter geradeaus und begleiten den Hillersbach für gut zwei Kilometer. An einer markanten Weggabelung wenden wir uns um nahezu 180 Grad nach rechts (5)und gehen dann leicht bergan in Richtung Schwickartshausen. Zwischendurch passieren wir noch einen aufgelassenen Steinbruch (6). An der Wegekreuzung gehen wir geradeaus und folgen immer weiter unserem Weg. Schon bald sehen wir den Kirchturm und den Ort Schwickartshausen und sind in wenigen Minuten an unserem Auto.

Quelle: Wetteraukreis / Kommunikation und Gremienservice

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