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Wetteraukreis: Jugendamt stellt sich vor – Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern

Pressemeldung vom 14. Juni 2011, 13:28 Uhr

Wetteraukreis (pdw). „Das Jugendamt. Unterstützung, die ankommt.“ Unter diesem Motto stehen die Aktionswochen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. „Im Rahmen einer mehrteiligen Presseserie stellen wir die Leistungen und Aufgaben der rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Wetterauer Jugendamtes vor“, sagt Erster Kreisbeigeordneter und Jugenddezernent Oswin Veith. Zum Beispiel die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern des Wetteraukreises.

Gründe, die Beratungsstelle aufzusuchen gibt es viele. Da ist zum Beispiel die Mutter, deren Sohn wegen seines auffälligen Verhaltens bei der Frühförderstelle war, die aber keine Entwicklungsverzögerung feststellte. Das Kind ist aggressiv, macht im Kindergarten nicht mit, zieht sich zurück, weint schnell. Auch zu Hause hat es immer Ärger mit den Geschwistern, nässt in der letzten Zeit immer häufiger ins Bett ein. Oder das 16jährige Mädchen, bei dem zu Hause nichts mehr klappt. Mit den Eltern gibt es Streit, nur ihr Freund versteht sie. Früher hat sie sich geritzt, wenn es mit der Mutter und deren Lebensgefährten Stress gab.

Die Themenpalette der Beratungsstelle ist breit: Erziehungsunsicherheiten, emotionale Probleme, verzögerte Entwicklungen, auffälliges Sozialverhalten, Schwierigkeiten mit Leistungsanforderungen, Trennung, Scheidung und Verlust, Patchworkfamilien, schwierige Familiensituationen. Als Anforderungen hinzugekommen sind das Fortbildungsmodul zu Paragraf 8a des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (Kindeswohlgefährdung) für Tagespflegepersonen, die Beratung von hochstrittigen Eltern, die von den Familiengerichten an die Beratungsstelle verwiesen werden.

„Erziehungsberatungsstellen erfüllen einen gesetzlichen Auftrag“, erklärt Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith. „Sie unterstützen Kinder, Jugendliche, Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei individuellen familienbezogenen Problemen und deren zugrunde liegenden Faktoren“, so der Dezernent. Sie leisten Hilfestellung bei der Lösung von Erziehungsfragen, bei Trennung und Scheidung. Wo nötig, wirken Fachkräfte verschiedener Einrichtungen zusammen, um den einzelnen Fall von allen Seiten beleuchten zu können und nicht nur eine Seite im Blick zu haben. „Dabei ist Vertraulichkeit die selbstverständliche Grundlage der kostenlosen Beratung“, versichert Veith.

Multidisziplinäre Team aus verschiedenen Professionen

Ein weites Feld, das sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 4,8 Vollzeitstellen teilen. Ebenso breit gefächert ist ihre fachliche Profession, die von Psychologie und Sozialarbeit, über Sozial- und Heilpädagogik bis zur Soziologie reicht. Hinzu kommen weitere Qualifikationen in Personenzentrierter Psychotherapie, Systemischer Familientherapie, Psychoanalytischer Pädagogik, Verhaltenstherapie, NLP, tiergestützter Pädagogik und Gruppentherapie.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten Eltern, Familien, Kinder und Jugendliche, klären die Ursachen der Probleme, leisten Prävention und beraten Fachkräfte. Auch Alleinerziehende und Eltern von Kindern bis 3 Jahre nutzen zunehmend das Beratungsangebot. Es gibt auch Grenzen der Beratung. Diese sind zum Beispiel dann erreicht, wenn massive psychiatrische Krankheitsbilder, Sucht oder Suizidalität vorliegen. Auch bei Problemen mit Sexualität oder Schwangerschaft wird an spezialisierte Einrichtungen und Beratungsstellen verwiesen. Kinder und Jugendliche dürfen auch ohne Kenntnis der Eltern beraten werden. Dann nämlich, wenn die Beratung aufgrund einer Not- und Konfliktlage erforderlich ist und der Beratungszweck vereitelt würde, wenn die Eltern davon wüssten.

Bevor das Kind in den Brunnen fällt

„Prävention wird großgeschrieben, denn eine Beratung im Vorfeld ist allemal besser als teure Maßnahmen, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist“, darauf weist Erster Kreisbeigeordneter Oswin Veith hin. Zur Prävention gehören Gruppen für Jungen, wo die Förderung von Selbstwertgefühl und sozialer Kompetenz im Fokus steht. Es gibt Gruppen für Kinder von psychisch kranken Eltern und für Trennungs- und Scheidungskinder. Die Gruppen setzen sich zusammen aus Kindern, deren Eltern Erziehungsberatung in Anspruch nehmen, oder die sich auf Empfehlung von Psychiatrie, dem sozialpsychiatrischen Dienst und dem Allgemeinen Sozialen Dienst an die Beratungsstelle wenden. In Zusammenarbeit mit den Schulen bietet die Beratungsstelle für Jungen ein Präventionsprojekt zum Thema „Sexualisierte Gewalt“ an.

Fachkräfte von Kindertageseinrichtungen nutzen die Beratungsstelle, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so genannte „Insoweit erfahrene Fachkräfte“ sind, zur Beratung bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. Sowohl Kindertageseinrichtungen wie auch Schulen können sich zudem zu einer Fachberatung an die Beratungsstelle wenden.

Erziehungsberatung wertvoller denn je

Die Probleme, mit denen Eltern in die Beratungsstelle kommen, sind komplexer geworden. Meistens beschreiben Eltern eine Vielzahl von Symptomen und leben mit multiplen Schwierigkeiten: Beziehungsprobleme, Arbeitslosigkeit oder drohender Jobverlust, finanzielle Probleme, Wohnprobleme. „Es scheint, dass klassische Erziehungsberatung nicht mehr ausreicht und es weitergehender Hilfen oder häufigeren Beratungskontakten bedarf“, so der Jugenddezernent. Auch vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass die Beratungsstelle eingebettet ist in ein Netz verschiedener Stellen, wo sich am jeweiligen konkreten Einzelfall eine intensive Zusammenarbeit entwickelt. Dazu zählen unter anderem Frühförderstelle, Wildwasser Wetterau, Kinder- und Jugendpsychiater, Kindergärten und Schulen, sowie schulpsychologischer Dienst und Allgemeiner Soziale Dienst.

Informationen und Anmeldungen unter Telefon: 06031/83-3241

Quelle: Wetteraukreis / Kommunikation und Gremienservice

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