Energiewechsel

Wetteraukreis: Landrat Arnold – Qualifizierte Menschen in der Region halten

Pressemeldung vom 21. August 2009, 13:31 Uhr

Wetteraukreis. „Mit dem aktuellen Monitoringbericht für den Wetteraukreis liegt eine kompakte Informationsquelle auf dem Tisch, die Auskunft über Struktur, Daten und Fakten des Kreises gibt“, sagt Landrat Joachim Arnold und gibt ein Beispiel: Nur in der Wissenschaftsstadt Darmstadt und im Hochtaunuskreis machen mehr junge Leute das Abitur als im Wetteraukreis. Hessenweit belegt der Kreis zwischen Vogelsberg und Taunus den dritten Platz. 34 Prozent der 3.461 Schulentlassenen des vergangenen Jahres haben das Abitur abgelegt. Landrat Joachim Arnold hat den Monitoringbericht dieser Tage vorgestellt und auf die Bedeutung für Planungsarbeiten hingewiesen. Das rund 30 Seiten umfassende Zahlenwerk gibt es in der zweiten Fortschreibung. Lange Jahre wurden diese Zahlen vom Planungsverband Frankfurt/Rhein-Main erhoben, allerdings mit dem Nachteil, dass die Zahlen nur für den Altkreis Friedberg vorgelegt wurden.

Unter Monitoring versteht man die langfristige Beobachtung ausgewählter Kenngrößen. Dabei sollen bestimmte politische Entscheidungen und Maßnahmen, entweder bestätigt oder, im Fall eines Misserfolges, gegengesteuert werden. „Wenn wir den Wetteraukreis weiterentwickeln wollen, dann brauchen wir detaillierte Zahlen, nicht nur zur demografischen Entwicklung, sondern auch zur Alterstruktur, zur Entwicklung der Beschäftigung, zum Wohnungsbau oder zu Fragen des Schulabschlusses“, sagt Landrat Joachim Arnold.

Interessant ist dabei, dass die Daten nicht nur mit denen des Vorjahres, sondern auch in einem längerfristigen Verlauf gesehen werden. Etwa beim Vergleich des Bruttoinlandsproduktes in den Jahren 2000 bis 2006. Hier verzeichnete der Wetteraukreis die größte Steigerung im hessischen Vergleich, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau.

Auch bei der Bevölkerungsentwicklung hat der Wetteraukreis die größte Zunahme in Hessen zu verzeichnen. Eine Entwicklung, die ausschließlich auf Wanderungsgewinne zurückzuführen ist. Die Zahl der Geburten liegt seit Gründung des Wetteraukreises 1972 unter der Zahl der Sterbefälle, mit Ausnahme des Jahres 1994 und der Jahre 1996 bis 2000.

Höchst uneinheitlich hat sich auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Wetteraukreis entwickelt. Insgesamt gingen zwischen 2000 und 2007 fast 1.700 Arbeitsplätze verloren, 70.854 werden im Wetteraukreis gezählt. Diese Entwicklung war freilich nicht einheitlich. Die meisten Arbeitsplatzverluste gab es in Hirzenhain und Reichelsheim mit minus 34 Prozent. Die stärkste Zunahme gab es in Wölfersheim mit 62,8 Prozent (!), Kefenrod mit 41,2 Prozent, Wöllstadt mit 22,4 Prozent und Limeshain mit 21,3 Prozent.

Wichtig für Firmen, die sich im Wetteraukreis ansiedeln möchten, ist die Aufteilung nach Wirtschaftsbereichen, in denen die Menschen arbeiten. Auch hier gibt es gravierende Unterschiede. So hat Bad Nauheim mit 90,6 Prozent aller Beschäftigten den höchsten Dienstleistungsanteil. In Karben liegt er bei 37,1 Prozent. Hier arbeiten mehr als 60 Prozent in der Produktion.

Wetterauer arbeiten in Frankfurt

Frankfurt ist der Arbeitsplatz schlechthin für die Rhein-Main-Region. Fast 500.000 Arbeitsplätze zählt die Großstadt am Main, die Pendler aus ganz Hessen und darüber hinaus anzieht. 55.000 Wetterauerinnen und Wetterauer pendeln täglich, fast die Hälfte von ihnen nach Frankfurt. Mit wesentlich geringeren Anteilen, elf bzw. zehn Prozent, in den Hochtaunuskreis und den Main-Kinzig-Kreis. Immerhin zehn Prozent nehmen für einen Arbeitsplatz in Kauf, auch in ein anderes Bundesland zu pendeln.

Das Thema Gemeindefinanzen nimmt ein eigenes Kapitel im Kreismonitoring ein. Aufgelistet sind die wichtigsten Steuereinnahmen, gesamt und pro Einwohner, der aktuelle Schuldenstand und der Gewerbesteuerhebesatz. Wie erwartet hat Bad Vilbel absolut die höchsten Steuereinnahmen von rund 47,5 Millionen Euro, das sind 1.514 Euro pro Bürger. Auch dieser Wert ist in der Wetterau spitze, gefolgt von Friedberg mit 967 Euro, Karben mit 866 Euro und Rosbach mit 848 Euro.

Die nächst niedrigsten Steuereinnahmen pro Einwohner werden in Ortenberg mit 518 Euro und Kefenrod mit 539 Euro erwirtschaftet.

Den höchsten Schuldenstand pro Einwohner und Einwohnerin weist das Zahlenwerk für Bad Vilbel mit 1.706 Euro aus, gefolgt von Ortenberg mit 1.611 Euro und Ranstadt mit 1.482 Euro. Landrat Arnold schränkt freilich die Aussagekraft solch3r absoluten Zahlen ein. „Die Schulden sind die eine Seite der Medaille, das was die Kommune geschaffen hat, an Infrastruktur für ihre Bürgerinnen und Bürger bereit stellt die andere. Manche Kommunen haben auch Infrastruktureinrichtungen in Eigenbetriebe ausgelagert, wie etwa Gas, Wasser und Abwasser, oder ihre Bürgerhäuser. Diese Daten fehlen in der Statistik.“

Höchste Kaufkraft in Bad Vilbel

Die Kaufkraft ist ein wichtiger Indikator für den Groß- und Einzelhandel. Sie sagt aus, wie viel Geld den Menschen zur Verfügung steht. Unterschieden wird die Kaufkraft pro Haushalt und die Kaufkraft pro Einwohner. Diese wiederum hängt von der Haushaltsgröße ab. In Deutschland beträgt die Haushaltsgröße rein rechnerisch 2,09 Personen. Die durchschnittliche Haushaltsgröße im Wetteraukreis liegt darüber, nämlich bei 2,23 Personen mit Unterschieden in den Städten und Gemeinden. Sie reicht von 1,98 in Bad Nauheim bis 2,45 in Altenstadt.

Bundesweit beträgt die Kaufkraft pro Haushalt im Durchschnitt 39.603 Euro oder pro Person 18.946 Euro. Im Wetteraukreis liegen beide Zahlen darüber, nämlich bei 46.800 pro Haushalt und 21.006 Euro pro Person. Über die höchste Kaufkraft pro Haushalt verfügt Rosbach mit 54.960 Euro vor Bad Vilbel mit 53.887 Euro und Wöllstadt mit 51.507 Euro. Bezieht man die Haushaltsgröße mit ein, ergibt sich bei der Kaufkraft pro Einwohner ein etwas anders Bild, nämlich: mit 26.004 Euro ist Bad Vilbel vor Karben mit 23.657 Euro und Rosbach mit 23.604 Euro.

Gute Voraussetzungen für weitere Qualifikation

Die Informationsgesellschaft der Zukunft verlangt immer mehr hoch qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die OECD hält eine Abiturientenquote von mindestens 40 Prozent für unabdingbar. In Deutschland liegt die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit dem höchsten Bildungsabschluss deutlich darunter. Im Wetteraukreis sind es immerhin 34 Prozent, der dritte Platz nach Darmstadt mit 48 Prozent und dem Hochtaunuskreis mit 36 Prozent.

Landrat Joachim Arnold: „Vor dem Hintergrund der vor uns liegenden Aufgaben mit steigender Staatsverschuldung und demografischer Entwicklung wird es immer wichtiger sein, dass eine schrumpfende Zahl Erwerbsfähiger möglichst hoch qualifiziert ist, um alle technischen und intellektuellen Mittel auszuschöpfen. Ein hoch qualifiziertes „Humankapital“ stellt einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil dar und wird auch für die Zukunft unseres Landes bedeutsam.“

Arnold freut sich deshalb auch, dass das Konjunkturprogramm von Bund und Land das Schulbauprogramm des Wetteraukreises flankiert. „In diesem Jahr werden wir zu den geplanten 25 Millionen Euro mit Hilfe der Mittel von Land und Bund Investitionen in einem Volumen von 60 Millionen Euro anstoßen. Sie werden überwiegend in die Verbesserung der Rahmenbedingungen von Bildung fließen und somit die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes erhöhen.“

Arnold fordert in diesem Zusammenhang, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Ansiedlung von weiteren Firmen in der Wetterau zu forcieren. „Wir haben eine Vielzahl hoch qualifizierter junger Leute, jetzt brauchen wir auch Ausbildungs- und Arbeitsplätze hier vor Ort, damit die Menschen in der Wetterau auch weiterhin eine gute Perspektive für Leben und Arbeit haben.“

Der Monitoringbericht des Wetteraukreises geht in den nächsten Tagen an die Städte, Gemeinden, Gemeindegremien, Planer und Betriebe zur weiteren Bearbeitung. Im Internet kann man ihn unter www.wetteraukreis.de/internet/kreis/portrait/statistik herunterladen.

Quelle: Stadt Wetteraukreis – Pressestelle

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