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Wetteraukreis: Landrat Joachim Arnold eröffnet Ausstellung im Dienstleistungszentrum

Pressemeldung vom 31. August 2009, 14:00 Uhr

Wetteraukreis. Sie ist der Albtraum von Allergikern schlechthin: Beifuß-Ambrosia. Das Dienstleistungszentrum des Wetteraukreises widmet der aus Nordamerika stammenden Pflanze eine Ausstellung, die Landrat Joachim Arnold dieser Tage eröffnet hat. Mittelpunkt der Ausstellung ist eine blühende Amrosia, die vorsorglich in einer Vitrine steckt, die mit einem Pollenfilter ausgestattet ist.

Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia), auch „Aufrechtes Traubenkraut“ genannt, hat ein enormes allergenes Potential und kann zu einem echten Albtraum für Allergiker/innen werden. So kann eine einzige Pflanze bis zu einer Milliarde hoch allergener Pollen bilden. Die späte Blütezeit von Juli bis September verlängert zudem noch die Heuschnupfenzeit bis hin zum Herbst. Aber nicht nur Allergiker/innen sollten sich vor der Beifuß-Ambrosie in Acht nehmen. Auch Menschen, die bisher von Allergien verschont geblieben sind, können auf die Pollen reagieren. Außerdem kann der Kontakt mit den feinen Härchen der Pflanzenstiele zu Hautirritationen und Ausschlägen führen.

Zur Information rund um Ambrosia hat Landrat Joachim Arnold jetzt im Dienstleistungszentrum des Kreises am Europaplatz in Friedberg eine Ausstellung über diesen „Allergiker-Albtraum“ eröffnet. Konzipiert wurde die Ausstellung von Dr. Beate Alberternst und Dr. Stefan Nawrath aus Friedberg-Ossenheim, zwei international anerkannten Spezialisten in Sachen Ambrosie. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Vitrine mit einer blühenden Ambrosia-Pflanze, die aber mit einem Pollenfilter ausgestattet ist, so dass keine Pollen entweichen können. Weiterhin informieren ein Film sowie Schautafeln und Broschüren über Herkunft, Verbreitung und Gefährdung durch die Beifuß-Ambrosie.

Zwar ist die Beifuß-Ambrosie bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland bekannt, jedoch konnte sie aufgrund von zu kurzen und kühlen Sommern nicht dauerhaft Fuß fassen. Durch den Klimawandel könnte sich dies aber rapide ändern. Wärmere Sommer und mildere Herbste begünstigen eine rasche Ausbreitung, so dass eine weite Verbreitung in Deutschland langfristig zu erwarten ist.

Schwere Zeiten für von Heuschnupfen Geplagte?

Um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen, ist es ratsam, besondere Vorsicht beim Kauf von Vogelfutter und Wildsaatgutmischungen walten zu lassen, denn diese sind oft mit Ambrosia-Samen verunreinigt. Da Vögel diese Samen meist nicht mögen, bleiben sie neben dem Vogelhäuschen liegen und können so in den Boden gelangen, um im Frühjahr zu keimen.

Beim Kauf von Saatgutmischungen oder Vogelfutter sollte daher auf Ambrosia-freies Futter geachtet werden. Leider haben sich aber auch in angeblich geprüften Saatgut- und Futtermischungen schon Ambrosia-Samen gefunden, wie eine Überprüfung durch Dr. Nawrath und Dr. Alberternst ergab. Um eine unfreiwillige Aussaat vollständig auszuschließen bleibt deshalb nur, das Futter durchzusieben. Beim Vogelfutter können die nur bis zu 3,5 Millimeter großen Samen leicht von dem größeren zum Füttern geeigneten Samen getrennt werden. Auch sollte die Fläche unter der Futterstelle und dem Vogelhäuschen gut beobachtet werden, um auf ein Heranwachsen schnell reagieren zu können. Doch Vorsicht: Ambrosia-Samen können über mehrere Jahrzehnte keimfähig bleiben!

Wurde eine Ambrosia-Pflanze gefunden, sollte diese mit Handschuhen am Besten vor der Blüte vollständig mit Wurzel herausgerissen und über die Bio-Tonne entsorgt werden. Wenn die Pflanze ab Juli in Blüte steht, wird neben Handschuhen auch eine Feinstaubmaske empfohlen. Zum Herausziehen sollte die Pflanze mit einer reißfesten Kunststofftüte überstülpt werden. Hier ist allerdings eine Entsorgung über die Restmülltonne oder durch Verbrennen notwendig, da nur so die Samen abgetötet werden und nicht wieder zum Keimen kommen können. Allergiker/innen sollten diese Arbeiten aber nicht selbst durchführen.

Die Beifuß-Ambrosie ist häufig in privaten Gärten zu finden, da sie dort überwiegend über Vogelfutter eingeführt wird. Doch haben in den letzten fünfzehn Jahren die Bestände außerhalb von Gärten deutlich zugenommen. So kommt sie bevorzugt auf lückenhaft bewachsenen Flächen wie Straßen- und Wegränder, Brachflächen, Erdaufschüttungen, in Neubaugebieten, Pflückblumenfeldern und Wildwiesen vor. Die Ausbreitung erfolgt zum Einen über Bestände aus einem Garten heraus, zum Anderen können durch an Bau- und Landmaschinen anhaftende Samen diese an neue Standorte verschleppt werden. Dort vermehrt sich dann die Pflanze meist unbemerkt zu beträchtlichen Beständen, die dann nur noch über massive Bekämpfungsmaßnahmen beseitigt werden können. Eine schnelle Ausbreitung erfolgt ebenso mit samenhaltigem Erdmaterial, so dass die Samen über Erdaushubzwischenlager in kurzer Zeit weit verteilt werden können.

Die Beifuß-Ambrosie ist eine recht unscheinbare, meist etwa 100 bis 150 Zentimeter große, einjährige Pflanze ohne auffällige Blüten und daher leicht mit anderen Arten zu verwechseln. Charakteristisch für die Beifuß-Ambrosie sind ein ährenähnlicher männlicher Blütenstand am Ende der Triebe und ein abstehend behaarter, oft rötlicher Stängel. Die doppelt fiederteiligen Blätter haben eine grüne Unterseite und unterscheiden sich dadurch vom Gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris). Dessen Blätter haben eine weißfilzige Unterseite. Auch ist eine Verwechslung mit dem Wermut (Artemisia absinthium) möglich. Die Blätter des Wermuts sind allerdings beidseitig weißfilzig behaart und dieser strömt zudem einen sehr aromatischen Duft aus. Weißer Gänsefuß (Chenopodium album) und Grünähriger Amarant (Amaranthus powellii) können ebenfalls mit der Beifuß-Ambrosie verwechselt werden. Diese besitzen jedoch keine geteilten Blätter. „Wegen dieser Verwechslungsmöglichkeiten ist sicher besonders interessant, sich die Pflanze in natura und ohne jegliche Gesundheitsgefahr bei uns im DLZ anzusehen“, so Landrat und Naturschutzdezernent Joachim Arnold.

Die Ausstellung ist bis zum 17. September 2009 während der allgemeinen Öffnungszeiten im Dienstleistungszentrum des Wetteraukreises in Friedberg (Europaplatz) zu besichtigen: Montag bis Mittwoch von 7:30 bis 17:00 Uhr, Donnerstag von 7:30 bis 19:00 Uhr und Freitag von 7:30 bis 14:00 Uhr.

Quelle: Stadt Wetteraukreis – Pressestelle

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