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Wetteraukreis: Landrat Joachim Arnold – Wetteraukreis fördert Erhalt der Streuobstwiesen

Pressemeldung vom 4. August 2009, 15:10 Uhr

Wetteraukreis. Der Wetteraukreis fördert die Pflanzung von hochstämmigen Obstbäumen. „Wir wollen die für die Wetterau typischen Streuobstwiesen nicht nur erhalten, sondern durch Neupflanzungen auch verjüngen und im Bestand sichern“, sagte Landrat Joachim Arnold in einer Pressemitteilung. Antragsberechtigt sind sowohl Einzelpersonen wie auch Vereine, die sich dem Erhalt von Streuobstwiesen verschrieben haben.

„Als mein Großvater diesen Apfelbaum pflanzte, war ich noch ein Kind. Das ist jetzt fast 60 Jahre her.“ So beginnen Geschichten, die noch einige der älteren Leute im Wetteraukreis von „ihrem Baumstück“ erzählen können. Die hochstämmigen Obstbäume der Streuobstwiesen werden je nach Obstart und Standortbedingungen etwa 50 bis 80 Jahre alt und manchmal noch älter; damit werden sie etwa doppelt so alt wie die kleineren, aber äußerst ertragsstarken Plantagenbäume.
Durch viel Platz, gute Pflege und eine lange Standzeit können sich die Bäume zu imposanten Erscheinungen entwickeln, die den Menschen jahrzehntelang Obst liefern und Tieren und Pflanzen einen vielfältigen Lebensraum bieten. Will man die Obstwiesen erhalten, müssen absterbende Bäume rechtzeitig durch Neupflanzungen ersetzt werden, dadurch entsteht ein buntes Mosaik aus jungen und alten Obstbäumen.

Dieser Kreislauf wurde Mitte des letzten Jahrhunderts massiv unterbrochen. Für etwa 25 Jahre wurden kaum hochstämmige Obstbäume gepflanzt, dafür bundesweit schätzungsweise 70 % der Streuobstbäume gefällt – zur „Marktbereinigung“. Aus dem Bundesernährungsministerium hieß es 1953, dass in Zukunft „für Hoch- und Halbstämme kein Platz mehr sein wird“, die EG zahlte von 1957-74 Rodungsprämien für hochstämmige Obstbäume mit „nicht bedarfsgerechten“ Sorten.
Erst danach fand eine andere Sichtweise Verbreitung mit dem ersten Erscheinen eines Artikels zum Arten- u. Biotopschutzwert von Streuobstwiesen (1975) und dem Kreis Ludwigsburg als erster staatlicher Stelle, die 1981 wieder Hochstamm-Neupflanzungen förderte.

Seither haben viele Menschen ihr Herz für die Streuobstwiesen entdeckt und setzten sich für deren Erhalt ein: Naturschutz- und Obst- u. Gartenbauvereine, kleine Keltereien, ungezählte Selbstverwerter und andere Idealisten, dazu diverse Streuobst-Initiativen sowie der 1991 wieder gegründete Pomologen-Verein. Sie engagieren sich trotz – oder gerade wegen – der noch immer bestehenden Gefährdung vieler Streuobstwiesen, z.B. durch neue Baugebiete und Straßen – und nicht zuletzt durch die schlechten Preise für das geerntete Obst, die für die viele Arbeit kaum einen finanziellen Ausgleich bringen.

Der Wetteraukreis bietet wie in den vergangenen Jahren eine finanzielle Unterstützung für die Pflege typischer Streuobstwiesen an. Beim Fachdienst Landwirtschaft können Anträge für die Förderung von Grundpflegeschnitt und Neupflanzungen hochstämmiger Obstbäume gestellt werden.

Kriterien für die Förderung sind u.a. die Lage der beantragten Flächen, der Gesamtzustand der Bäume (Pflegezustand, Alter) und des Grünlands. Das Förderprogramm hat sowohl eine landwirtschaftliche als auch eine naturschutzfachliche Zielsetzung.
Nicht förderfähig sind Obstbäume in Haus- oder Freizeitgärten sowie auf Flächen, für die Verpflichtungen gegenüber Dritten gelten (z.B. Ausgleichs- u. Ersatzmaßnahmen) oder die von Dritten gefördert werden (z.B. Zuschüsse durch Gemeinden).

Gefördert werden kann zum einen die Grundsanierung hochstämmiger Obstbäume (mind. 10 Jahre Standzeit). Eine besondere Priorität haben Streuobstwiesen, die z.B. durch einen Eigentümerwechsel nun wieder in Nutzung gebracht werden sollen.

Zum anderen kann die Neupflanzung von Hochstämmen alter, robuster Sorten gefördert werden. In einigen Baumschulen werden mittlerweile auch regionaltypische Sorten wie ‚Ditzels Rosenapfel‘ und ‚Dorheimer Streifling‘ angeboten (Hessische Lokalsorten der Jahre 2005 bzw. 2009). Aus dem Supermarkt bekannte Obstsorten sind im Gegensatz dazu für die Streuobstwiese ungeeignet.
Mit der Förderung verpflichtet man sich, den Bäumen auch in den kommenden, meist entscheidenden Jahren ein Mindestmaß an Pflege zukommen zu lassen.

Eine finanzielle Förderung beantragen können sowohl Einzelpersonen (Landwirte, Hobbynutzer) als auch Vereine (Naturschutz, Obst- und Gartenbau), die eine eigene oder längerfristig gepachtete Streuobstwiese pflegen; Sammelanträge sind möglich.
Anträge und Informationen zur Streuobstförderung sind erhältlich beim:
Kreisausschuss des Wetteraukreises, Fachdienst Landwirtschaft, Homburger Straße 17 in 61169 Friedberg, Telefon 06031 / 83-4206 (Fr. Dehnert) oder -4211 (Fr. Heinzerling), Fax 06031 / 83-4242, E-Mail: daniela.dehnert@wetteraukreis.de
Die Antragsfrist endet am 15. September 2009.
Quelle: Stadt Wetteraukreis – Pressestelle

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