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Wetteraukreis: Palliativversorgung aus Sicht der Patienten

Pressemeldung vom 22. Februar 2013, 12:33 Uhr

Ausstellung im Kreishaus Friedberg

Wetteraukreis (pdw). Sterben ist keine Krankheit, sondern ein wichtiger Lebensabschnitt. So steht es im begleitenden Faltblatt zur Ausstellung über Palliativversorgung, die im Friedberger Kreishaus zu sehen ist. Sie zeigt Bilder und Texte aus dem Alltag von Patienten, Angehörigen und Palliativpflegekräften. Landrat Arnold machte bei der Eröffnung der Ausstellung Mut, sich der Frage zu stellen: „Wie leben, wenn das Leben zu Ende geht?“ Die Ausstellung ist noch bis zum 22. März zu sehen.

Was Palliativversorgung bedeutet, erläuterte Dr. Elisabeth Lohmann: „Es geht um die Versorgung von Schwerstkranken und Sterbenden im häuslichen Umfeld.“ 70 Prozent derjenigen, die schwerkrank sind und vor ihrem letzten Lebensabschnitt stehen, wünschen sich, diese Zeit zu Hause verbringen und noch bewusst gestalten zu können. Palliative Versorgung geht über die reine Medizin hinaus, sie beinhaltet ebenso soziale, pflegerische und seelsorgerische Aspekte. Es ist eine Versorgung auf Augenhöhe, Palliativteams sind nicht nur für die Patienten da, sondern auch für die Angehörigen. Es geht nicht darum, eine bestehende Grunderkrankung zu heilen, sondern die Folgen zu lindern und zu reduzieren, Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schmerzen, Atemnot, Ängste oder Depressionen.

„Sie sind genau das, was ich gesucht habe und nicht wusste, dass es das gibt.“ Dies ist eines der Zitate, die auf den Plakatwänden der Ausstellung „Palliativversorgung aus Patient/innensicht“ zu lesen ist. Im Zentrum stehen Bilder des Fotografen Peter Steudtner, der mit seiner Kamera Patienten, Angehörige und das Palliativpflegeteam begleitet hat. Entstanden sind einfühlsame Bilder, die zeigen, dass der letzte Lebensabschnitt individuell, gut und behütet gestaltet werden kann. Die Bilder kommen nicht mit dem Blick von oben, sondern bleiben stets auf Augenhöhe. Erläuterungen und Statements von Patienten, Angehörigen und Pflegekräften beschreiben mit wenigen Worten das Wesen der palliativen Versorgung.

„Sie wird leider nur für wenige Glückliche Realität und ist noch nicht in der Öffentlichkeit angekommen“, bedauerte Dr. Reinhold Merbs, Leiter des Fachdienstes Gesundheit und Gefahrenabwehr. Und dies, obwohl seit 2007 Menschen mit einer fortgeschrittenen Erkrankung und einer hohen Last von Symptomen das gesetzliche Recht auf die Versorgung durch ein spezialisiertes ambulantes Palliativteam haben. Dr. Merbs sieht den Grund darin, dass die meisten sich nicht mit dem eigenen Tod auseinandersetzen, keine Vorsorge treffen und Patientenverfügungen keine Selbstverständlichkeit sind. „Wir brauchen dieses Thema in der Öffentlichkeit, denn es gibt einen guten Weg“, sagte Dr. Merbs und machte Mut, die Dinge im eigenen Umfeld zu regeln.

„Es ist wichtig, dass Menschen diesen letzten Lebensabschnitt im häuslichen Umfeld verbringen können, aber dazu muss Angehörigen auch die Möglichkeit und der zeitliche Raum gegeben werden. Dies gelingt nicht immer in dem Maß, wie es nötig wäre“, sagte Landrat Joachim Arnold. Mitunter scheitere es schlicht an der fehlenden Zeit. Arnolds Appell deshalb an die Arbeitgeber, es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die diesen letzten Lebensweg mit ihren Angehörigen gemeinsam verbringen möchten, auch zeitlich zu ermöglichen.

Die Ausstellung Palliativversorgung aus Patient/innensicht“ ist noch bis zum 22. März zu sehen. Montags bis mittwochs von 8 bis 17 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 14 Uhr.

Quelle: Wetteraukreis – Fachdienst Kommunikation

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