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Wetteraukreis: Wetter Ausflug – Wo weidende Schafe der Natur Gutes tun – Naturschutzgebiet Magertriften Ober-Mörlen

Pressemeldung vom 20. August 2009, 13:24 Uhr

Wetteraukreis. Weglänge: sechs Kilometer
Wanderzeit: gemütlich zwei Stunden, zum Teil durch Gras, auf festes Schuhwerk achten
Unser Weg beginnt am Sportlerheim des SV 1920 Ober-Mörlen, wo wir ausreichend Parkmöglichkeiten finden. Zufahrt über die Bundesstraße 275 und die Weinstraße.

Die Magertriften von Ober-Mörlen zählen zu den wenigen noch erhaltenen Naturlandschaften wie sie früher in der Wetterau weit verbreitet waren: Ausgedehnte Streuobstflächen, großflächige Heuwiesen und Schafhutungsrasen mit wertvollen und bestandsbedrohten Arten. Die Magertriften von Ober-Mörlen sind ein reich strukturiertes, von einem Hohlweg durchzogenes Gebiet mit Vorkommen von artenreichen Frischwiesen, Magerweiden, Halbtrockenrasen, Streuobstbeständen, Gehölzen und Hecken. Die Magertriften sind Heimat von besonders geschützten und bedrohten Arten wie Zauneidechse, Gras- und Taufrosch, Mittelspecht, Grauspecht, Neuntöter und Rotmilan.

Am Parkplatz überqueren wir gleich hier den Fauerbach und kommen nach 100 Metern vorbei an einer Reitanlage auf einem Betonweg, den wir bergan steigen. Wir gehen ein Stück entlang des hier kanalisierten Fauerbachs und freuen uns darauf, ihn weiter bachaufwärts, zumindest in einem kleinen Stück, im natürlichen Zustand zu sehen.

Der Betonweg geht schließlich in einen Hohlweg über. Links sehen wir einen prachtvollen Speierling, einen der größten seiner Art in der Wetterau. Gut 150 Jahre dürfte er auf dem Buckel haben, fast 20 Meter reicht seine Krone in den Himmel. Zurück auf unserem Weg sehen wir auf der rechten Seite eine dichte Hecke mit Schlehen, Weißdorn, Hasel, Wildkirche, Liguster und vielen anderen Büschen. Sie bieten vielen Vögeln eine Heimat, wie etwa dem vom Aussterben bedrohten Neuntöter. Er braucht freilich auch das Vorland vor der Hecke, nämlich eine beweidete Fläche, die Lebensraum für viele Insekten gibt. Hier wird auch der Regelkreis in der Natur deutlich. Nährstoffarme Wiesen, das heißt wenig gedüngte Wiesen, bringen eine Vielzahl von Kräutern hervor, die viele Insekten anziehen und die wiederum Nahrung für Vögel sind.

Eine weitere Besonderheit der Magertriften Ober-Mörlen ist die Herbst-Wendelähre, eine Orchideenart, die zu den seltensten in Europa gehört und hier einen ihrer wenigen Standorte in Hessen hat. Die Orchidee ist auf die Schafbeweidung angewiesen, weil sie insbesondere aus dem Dung der Schafe ihre Nährstoffe bezieht.

Wir nähern uns bei unserer Wanderung dem höchsten Punkt unseres leichten Anstieges und haben hier einen wunderschönen Blick, der bis Butzbach, zur Münzenburg und das ganze Wettertal reicht. Weit am Horizont sehen wir den Vogelsberg. Nach einer kurzen Pause gehen wir weiter geradeaus und erfreuen uns an einer Reihe mit Speierlingen, die hier gesetzt wurde. Diese Ebereschenart ist insbesondere für die Apfelwein-Produktion wichtig, weil er dem „Stöffche“ eine herbe und unverwechselbare Note verleiht. Hier sehen wir auch eine junge Obstbaumwiese, die die Stadt Butzbach eingerichtet hat, als Ersatzvornahme für einen Eingriff in Natur- und Landschaft an anderer Stelle. Eine gelungene Maßnahme, wie Michael Schwarz von der Unteren Naturschutzbehörde meint, denn die ausgedehnten Streuobstwiesen brauchen auch Neupflanzungen.

Wenn wir bei unserem Weg auf der rechten Seite eine Streuobstwiese sehen, dann wenden wir uns in einer 90-Grad-Kurve nach links und gehen den Betonweg hinunter in das Tal des Fauerbachs. Wer hier rasten möchte, kann auch einfach noch 100 Meter weiter geradeaus gehen und findet hier eine Schutzhütte. An einer Pferdekoppel halten wir uns links und kommen dann wieder auf die Magertriften zu.

Wir kommen an die Brücke des Fauerbachs und halten uns bachabwärts auf der linken Bachseite in Richtung Südwesten. Im Rahmen der Flurneuordnung wurde in den 60er Jahren der Bach umgelegt und hat hier ein kanalähnliches Bett. Gut einen Kilometer laufen wir so an dem eingezwängten Bach entlang, bis wir an der nächsten Überquerung die Seiten wechseln und dann auf der rechten Bachseite weitergehen. Nach einer kleinen Weile öffnet sich die dichte Hecke und wir können jetzt einen Blick auf den renaturierten Fauerbach werfen.

Kinder finden hier einen herrlichen Spielplatz während die Erwachsenen gemütlich rasten können. Mit etwas Glück kann man den Eisvogel oder die Gelbstelze fliegen sehen. Der Bach hat sich ein Kiesbett angeschwemmt, der Fischen, unter anderem auch Forellen, als Laichplatz dient. Noch im Sommer 2009 sollen die Bagger anrücken und die Renaturierungsarbeiten fortsetzen.

Wir gehen jetzt zwischen den Feldern rechts nach oben und kommen an einen Betonweg. Wir wenden uns nach links und gehen dann immer geradeaus und kommen direkt vorbei an den Sportanlagen zu unserem Ausgangspunkt zurück.
Quelle: Stadt Wetteraukreis – Pressestelle

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