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Wetteraukreis: Zusätzliche Mittel für Schuldnerberatung – Sozialdezernent informiert sich in Bad Nauheim

Pressemeldung vom 24. August 2016, 13:41 Uhr

Rund 90.000 Euro zusätzlich gibt es für die Schuldnerberatung in der Wetterau. Erster Kreisbeigeordneter Helmut Betschel teilte mit, dass diese Mittel aus dem Sozialbudget zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. Neben ADN und FAB, die die Pflichtaufgabe der Schuldnerberatung leisten, profitieren auch Caritas und Diakonie von den zusätzlichen Mitteln mit jeweils rund 22.500 Euro.

Einen Anspruch auf Schuldnerberatung haben Menschen, die Arbeitslosengeld II beziehen oder unter bestimmten Voraussetzungen auch Sozialhilfeempfänger.

Erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent Helmut Betschel hat sich dieser Tage bei ADN in Bad Nauheim ein eigenes Bild von der Arbeit der Schuldnerberatung in der Kurstadt gemacht.

ADN steht für Alternatives Dienstleistungs-Netzwerk, das in ganz Deutschland mit verschiedenen Angeboten vertreten ist. In der Wetterau ist ADN seit Mai zusammen mit Frauen, Arbeit, Bildung (FAB) mit der Pflichtaufgabe der Schuldnerberatung für Bezieherinnen und Bezieher von SGB II und SGB XII, zunächst einmal für drei Jahre, beauftragt.

In Bad Nauheim besteht das Team aus drei Personen: dem Bankkaufmann Hartwig Rüdiger, der seit 13 Jahren Schuldnerberatung macht, der Rechtsanwältin Martina Schwarz und dem Diplom-Pädagogen Felix Merklinger-Lötzsch.

Wer die Büroräume der ADN in der Kurstraße in Bad Nauheim betritt, dem fallen zunächst die gerahmten „Qualitätsmerkmale der Schuldnerberatung“ auf. „Die Ursachen der Verschuldung sollen analysiert und mit dem Kunden besprochen werden mit dem Ziel, einer erneuten Überschuldung entgegenzuarbeiten.“

Weiter heißt es: „Telefonische und persönliche Notfallberatungen werden während der Öffnungszeiten grundsätzlich kostenfrei, auch gegenüber dritter Seite, durchgeführt, sofern diese 30 Minuten nicht überschreiten.“

Beratungsgespräche sind bei der ADN Schuldnerberatung generell kostenlos auch für Menschen, die nicht im Bezug von Sozialleistungen sind oder die keinen entsprechenden Berechtigungsschein für Beratungshilfe vom Amtsgericht vorweisen können.

Die Wartezeiten nach einem ersten Anruf betragen in der Regel nicht länger als 14 Tage. Danach kommen meistens drei oder vier Folgetermine, mit dem Ziel, Menschen zu entschulden.

Die Ursachen für eine Überschuldung sind in den wenigsten Fällen ein mangelhaftes Konsumbewusstsein. Oft sind es Arbeitslosigkeit, gescheiterte Selbständigkeit, Krankheit bis hin zur Sucht, eine Scheidung oder, bei jungen Leuten, die wirtschaftliche Unerfahrenheit.

Für Menschen, die neben einer reinen Schuldnerberatung noch weitere zusätzliche Hilfe benötigen, stellen wir den Kontakt zu den Institutionen her, die für diese Aufgaben vom Wetteraukreis beauftragt wurden, wie etwa den Internationalen Bund als Anlaufstelle für die psycho-soziale Beratung.

Männer in der Überzahl

Die Schuldnerberatung wird überwiegend von Männern aufgesucht. Viele haben ihre Schulden bei verschiedenen Gläubigern. Manchen Leuten wächst es dann einfach über den Kopf, wobei es schon damit anfängt, dass viele gar nicht wissen, wofür sie ihr Geld ausgeben.

„Das ist dann auch der erste Schritt, den wir gemeinsam mit den Klienten gehen: Kassensturz machen, einen Haushaltsplan aufstellen, Einsparpotentiale ermitteln, Unterhaltsverpflichtungen feststellen, aber auch überlegen, ob es noch Unterstützung von anderer Seite gibt, etwa aus dem Bildungs- und Teilhabepaket“, berichtet Schuldnerberater Hartwig Rüdiger.

„Das Wichtigste, was wir unseren Klienten mitgeben, ist, dass zu allererst die Zahlungen für Miete und Strom fortgeführt werden müssen, damit man nicht ohne Wohnung und Heizung dasteht“, ergänzt sein Kollege Marklinger-Lötzsch.

Genauso wichtig ist die Bezahlung von Bußgeldern und Geldstrafen, denn bei Nichtbezahlung droht Erzwingungshaft bzw. Freiheitsstrafe. Ferner kann man durch rechtszeitigen Besuch der Schuldnerberatung, die anfänglich kleineren Beträge, die sich binnen kurzer Zeit auf ein Mehrfaches durch die Einschaltung von Inkassobüros oder Rechtsanwälten erhöhen können, vermeiden.

„Aber auch Menschen mit höherem Einkommen nehmen die Hilfe der Schuldnerberatung in Anspruch, mit dem Ziel, Einnahmen und Ausgaben in ein angemessenes Verhältnis zu bringen, um so eine Überschuldung zu vermeiden,“ sagt Rechtsanwältin Martina Schwarz.

Neue Kundengruppen erwartet

Zwei weitere Kundengruppen erwarten die Schuldnerberater von ADN für die nächsten Jahre. Das sind einmal ältere Menschen, die im fremdfinanzierten Eigenheim sitzen und mit der Auszahlung ihrer Lebensversicherung die Restschulden begleichen wollten. Die Berechnungen, die einst von der Lebensversicherung gemacht wurden, sind längst hinfällig. Die üppigen Renditen gehören längst der Vergangenheit an. Wenn dann auf einmal in der Finanzierung 20.000 oder 30.000 Euro fehlen, wird es schwer.

Sorgen bereitet den Fachleuten auch die großzügige Vergabe von Krediten oder Handy-Verträgen. „Es gibt Anbieter, die Flüchtlingen teure Handy-Verträge regelrecht andrehen, oft noch als Partnervertrag. Da wird mit den modernsten Handys und dem leichten Kontakt mit der Heimat geworben, ohne dass die neuen Kunden wissen, was sie überhaupt unterschreiben“, so Marklinger-Lötzsch.

Prävention verstärken

Damit es erst überhaupt nicht so weit kommt, werden mehrere Veranstaltungen zur Prävention geplant. So sind Veranstaltungen für gesetzliche Betreuer, aber auch für Flüchtlinge vorgesehen. Auch die können aus dem zusätzlichen Sozialbudget des Kreises finanziert werden.

Quelle: Wetteraukreis / Fachdienst Kundenservice und Kommunikation

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