Energiewechsel

Wetzlar: Arbeitsmarkt – Herbstaufschwung bleibt aus

Pressemeldung vom 30. Oktober 2012, 12:35 Uhr

.Arbeitslosenquote im Oktober um 0,1 Prozentpunkte auf 5,6 Prozent zurückgegangen
.83 Erwerbslose weniger als im September, jedoch 534 mehr als vor einem Jahr
.Arbeitsmarktentwicklung in Limburg-Weilburg und im Lahn-Dill-Kreis aufgrund verschiedener Wirtschaftsstrukturen unterschiedlich

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar waren im Oktober 2012 insgesamt 12.570 Personen arbeitslos gemeldet. Dies entspricht einer Quote von 5,6 Prozent, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen. Im September waren noch 83 Menschen mehr arbeitslos gemeldet, vor einem Jahr gab es 534 Erwerbslose weniger. Die Quote betrug seinerzeit 5,6 Prozent.Von den insgesamt 12.570 arbeitslosen Personen waren 3.705 bei den Arbeitsagenturen in Limburg, Wetzlar und Dillenburg gemeldet. 3.100 Arbeitslose wurden beim Jobcenter Limburg-Weilburg gezählt. 5.765 Erwerbslose meldet das Kommunale Jobcenter des Lahn-Dill-Kreises.

„Die sonst übliche Herbstbelebung am Arbeitsmarkt ist in diesem Jahr ausgeblieben. Maßgebend dafür sind vor allem konjunkturelle Gründe“, berichtet die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar, Angelika Berbuir. Im Oktober seien 17 Prozent weniger Vermittlungsaufträge erteilt worden als vor Jahresfrist. Insbesondere im produzierenden Gewerbe reiche die wirtschaftliche Entwicklung schon seit Beginn des Jahres nicht aus, um eine nachhaltige Arbeitskräftenachfrage zu entfalten. Während der Anteil der Arbeitskräfte in diesem Wirtschaftssektor 31 Prozent aller Beschäftigten ausmache, gingen weniger als 10 Prozent sämtlicher Stellenmeldungen auf das produzierende Gewerbe zurück. Auch die Zeitarbeit sei von der unzureichenden Nachfrage gekennzeichnet, so Berbuir weiter. Habe der Anteil der Vermittlungsaufträge der Personaldienstleister vor einem Jahr noch 41 Prozent aller Stellenmeldungen ausgemacht, liege er aktuell bei nur 24 Prozent.

Ein weiteres Indiz dafür, dass die Flaute am Arbeitsmarkt konjunkturbedingt sei, lasse sich nach Berbuirs Angaben anhand der Entwicklung der Erwerbslosigkeit in den beiden Rechtskreisen belegen. Demnach ist die Arbeitslosigkeit bei den Arbeitsagenturen im Bezirk innerhalb eines Jahres um 15,5 Prozent gestiegen, bei den Jobcentern ,nur‘ um 0,4 Prozent. „Wer neu arbeitslos wird, hat meist einen Anspruch auf Arbeitslosengeld und meldet sich dann bei der Arbeitsagentur. Weil aber im Moment weniger Stellenangebote vorhanden sind, steigt die Arbeitslosigkeit im Rechtskreis des SGB III stetig an.“ Diese Entwicklung könne jedoch mit einem zeitlichen Versatz die Jobcenter treffen, sofern sich die Arbeitskräftenachfrage nicht erhole. „Dann wird aus der derzeit konjunkturellen eine strukturelle Arbeitslosigkeit“, sagt die Arbeitsmarktexpertin.

Berbuir weist allerdings auf unterschiedliche Arbeitsmarktentwicklungen in den beiden Landkreisen des Agenturbezirkes hin. Im Kreis Limburg-Weilburg sei die Arbeitslosigkeit im Vorjahresvergleich um 0,4 Prozent oder 17 Personen zurückgegangen. Im Lahn-Dillkreis sei sie hingegen um 7,6 Prozent oder 551 Betroffene gestiegen. „Hier macht sich der vergleichsweise hohe Anteil an Dienstleistungsunternehmen in Limburg-Weilburg bemerkbar. Dienstleister reagieren schwächer und meist zeitverzögert auf konjunkturelle Veränderungen, als Industrieunternehmen. Als klassischer Industriestandort nimmt der Lahn-Dill-Kreis die Funktion eines ,Konjunktur-Seismographen‘ ein. Die Ausschläge sind hier sowohl bei ausbleibender konjunkturellen Dynamik, aber auch bei einem Aufschwung wesentlich kräftiger.“

Arbeitslosenquote
Die Arbeitslosenquote liegt im Agenturbezirk Limburg-Wetzlar aktuell bei 5,6 Prozent bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen. Damit sank die Quote gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozentpunkte. Zum Vergleich: Im Oktober 2011 lag die Quote bei 5,4 Prozent.

Im Kreis Limburg-Weilburg beträgt die Arbeitslosenquote 5,3 Prozent (Oktober 2011: 5,4 Prozent).

Der Lahn-Dill-Kreis weist derzeit eine Quote von 5,8 Prozent aus (Oktober 2011: 5,4 Prozent):
.Standort Dillenburg:

5,3 Prozent (2011: 5,0 Prozent)
.Standort Wetzlar: 6,2 Prozent (2011: 5,7 Prozent)

Die beiden Rechtskreise
Auf Agenturseite (Rechtskreis SGB III) reduzierte sich die Zahl der Erwerbslosen gegenüber September um 123 Personen (- 3,2 Prozent) auf 3,705 Personen. Im Vergleich zum Oktober 2011 nahm die Arbeitslosigkeit im SGB III-Bereich um 15,5 Prozent oder 496 Betroffene zu.

Im Rechtskreis SGB II (Jobcenter Limburg-Weilburg und Kommunales Jobcenter Lahn-Dill) stieg die Zahl der Arbeitslosen innerhalb des letzten Jahres um 0,4 Prozent oder 38 Personen. Im Vergleich zum Vormonat hat sich die Erwerbslosigkeit bei den Jobcentern um 40 Personen oder 0,5 Prozent erhöht. Dort sind derzeit 8.865 Erwerbslose registriert.

Beim Jobcenter Limburg-Weilburg sank die Zahl der Erwerbslosen binnen Jahresfrist um 224 Personen (- 6,7 Prozent).

Beim kommunalen Jobcenter Lahn-Dill stieg die Zahl der Erwerbslosen binnen Jahresfrist um 262 Personen (+ 4,8 Prozent).

Männer und Frauen
Die Anzahl arbeitsloser Männer nahm gegenüber dem Vormonat um 31 auf 6.396 Erwerbslose zu. Die Zahl erwerbsloser Frauen sank im gleichen Zeitraum um 114 auf 6.174 Betroffene.

Besondere Personengruppen

U25:
Auch bei den Jugendlichen machen sich die unterschiedlichen regionalen Wirtschaftsstrukturen im Bezirk bemerkbar: Weil die Jugendlichen zum überwiegenden Teil marktgerecht ausgebildet sind, werden sie im Aufschwung von Unternehmen stark nachgefragt, so dass Jugendarbeitslosigkeit dann faktisch keine Rolle spielt. Zudem sind junge Arbeitskräfte auch bevorzugte Zielgruppe der Zeitarbeitsunternehmen. Anders ist die Lage bei Abflauen der Konjunktur: Da sie weitaus mehr in befristeten Arbeitsverhältnissen anzutreffen sind als ältere Beschäftigte und bei Kündigung durch eine Sozialauswahl und meist kürzeren Kündigungsfristen schneller arbeitslos werden, nimmt die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen dann schneller zu. Im gewerblich geprägten Lahn-Dill-Kreis ist die Jugendarbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr um 27,7 Prozent oder 178 Betroffene gestiegen. In Limburg-Weilburg stieg sie im gleichen Zeitraum lediglich um 4,8 Prozent oder 23 jugendliche Erwerbslose an.

Aktuell sind im Agenturbezirk Limburg-Wetzlar 1.322 unter 25-Jährige arbeitslos. Das sind zwar 208 Jugendliche oder 13,6 Prozent weniger als im Vormonat, jedoch 201 oder 19,9 Prozent mehr, als vor einem Jahr.

Ältere Arbeitslose
Die Arbeitslosigkeit der über 50jährigen hat im Oktober zugenommen. Es waren 120 Erwerbslose mehr zu verzeichnen als im September (+ 3,2 Prozent). 3.841 Arbeitslose gehörten im letzten Monat dieser Personengruppe an. Im Vergleich zum Oktober 2011 nahm die Zahl der älteren Arbeitslosen um 143 Personen oder 3,9 Prozent zu.

Kreis Limburg-Weilburg: 1.330 ältere Arbeitslose (+ 0,8 Prozent gegenüber Vormonat / – 0,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Lahn-Dill-Kreis: 2.511 ältere Arbeitslose (+ 4,6 Prozent gegenüber Vormonat / + 6,4 Prozent gegenüber Vorjahr)

Gemeldete Stellen
Im abgelaufenen Monat meldeten die heimischen Betriebe und Verwaltungen der Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar und dem gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter Limburg-Weilburg 768 neu zu besetzende Arbeitsplätze. Derzeit sind noch 2.037 freie Arbeitsstellen gemeldet.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung
Aktuell liegen die Daten des ersten Quartals 2012 vor. Zum 31. März 2012 gab es im Agenturbezirk Limburg-Wetzlar 132.054 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Dies waren 2.903 oder 2,2 Prozent mehr als im ersten Quartal 2011. Hessenweit nahm die Beschäftigung im gleichen Zeitraum um 2,1 Prozent zu.

Die höchsten Arbeitsplatzzuwächse kann das verarbeitende Gewerbe verzeichnen. 1.151 zusätzliche Arbeitsplätze bedeuten im Vergleich zum Vorjahresquartal einen Anstieg von 2,9 Prozent der Beschäftigten dieser Branche. Weitere deutliche Beschäftigungsgewinne verbuchten vor allem das Gesundheits- und Sozialwesen (619 / 3,7 Prozent), Erziehung und Unterricht (528 / 20,7 Prozent), der Handel (458/ 2,3 Prozent) und die Finanzdienstleistungen (303 / 9,5 Prozent).

Arbeitsplatzverluste weisen folgende Wirtschaftszweige aus: der öffentliche Dienst (-613 / -7,6 Prozent), die Zeitarbeit (-222 / -7,3 Prozent), Verkehr und Logistik (-140 / -2,8 Prozent), und die Privaten Haushalte (- 129 / – 2,2 Prozent).

Quelle: Agentur für Arbeit Wetzlar

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