Energiewechsel

Wetzlar: Ausbildung: Jugendlichen aus der zweiten Reihe eine Chance geben

Pressemeldung vom 8. August 2016, 14:07 Uhr

– Assistierte Ausbildung soll Ausbildungsabbrüche vermeiden
– Ausbildungsbegleiter unterstützen Unternehmen und Jugendliche
– Eduard Bufnila und Viaoptic Wetzlar nutzen Angebot der Arbeitsagentur

Die erste Hürde auf dem Weg zum Ausbildungsabschluss hat Eduard Bufnila übersprungen: Der junge Wetzlarer hat im Frühjahr seine Zwischenprüfung bestanden. Daraus, dass der Weg dorthin nicht einfach war und auch weiter steinig bleibt, machen weder der 24jährige, noch sein Ausbildungsbetrieb einen Hehl.

„Die Zahl der Jugendlichen, die einen gewerblichen Ausbildungsplatz suchen, nimmt von Jahr zu Jahr ab. Um unseren Fachkräftebedarf künftig decken zu können, geben wir bewusst auch Jugendlichen aus der zweiten Reihe eine Chance“, berichtet Christian Klötzner, der im Wetzlarer Unternehmen Viaoptic den Personalbereich verantwortet. Auch Eduard Bufnila gehörte zu den Bewerbern, denen ein Ausbildungsstart lange verwehrt blieb. Nach dem Hauptschulabschluss dauerte es einige Zeit, bis er ,Boden unter die Füße‘ bekam. Die Situation änderte sich, als der junge Mann mit Viaoptic in Kontakt trat. Das 130 Mitarbeiter zählende Unternehmen gab dem Hobbyfußballer Anfang letzten Jahres in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur die Chance, eine siebenmonatige Einstiegsqualifizierung (EQ) für den Beruf der Fachkraft für Lagerlogistik zu absolvieren. „Mir fiel es wirklich schwer, jeden Morgen früh aufzustehen und mich acht Stunden am Tag zu konzentrieren“, gibt der junge Mann unumwunden zu. Weil er das Jahrespraktikum aber erfolgreich absolvierte, wurde die von der Agentur für Arbeit finanzierte EQ seitens der IHK Lahn-Dill nachträglich als erstes Ausbildungsjahr anerkannt. Das Unternehmen belohnte den bisherigen Praktikanten zudem mit einem Ausbildungsvertrag für das zweite und dritte Ausbildungsjahr.

„Damit waren aber noch nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt“, erinnert sich Eduards Ausbildungsleiter Necip Ünal. „Es brauchte viel Zeit, Geduld und ständiges Feedback, um seine Konzentration zu fördern. Außerdem galt es auch bei den Kollegen um Verständnis zu werben, wenn Arbeitsabläufe mal nicht optimal funktionierten. Aber wir hatten den Mut, uns dieser Herausforderung zu stellen“, fährt der Ausbilder fort. Weil der wirtschaftliche Druck steige, bliebe den Ausbildungsbetrieben immer weniger Zeit für Nachschulungen und komplexe Betreuungsarbeit. Umso erfreuter zeigte sich das Unternehmen, als ihm die Arbeitsagentur das Angebot einer ,Assistierten Ausbildung‘ (AsA) unterbreitete. „Mit der AsA unterstützen wir die Azubis und deren Betriebe während der gesamten Ausbildungsdauer. Ausbildungsbegleiter, die sehr eng mit den Jugendlichen, Ausbildungsverantwortlichen und Berufsschulen kooperieren, kommt dabei die Hauptverantwortung zu“, erläutert Julia Müller, Teamleiterin der Wetzlarer Berufsberatung. Die betreuten Auszubildenden erhalten meist außerhalb der Arbeitszeit zusätzliche Unterrichtsstunden zum Abbau von Bildungsdefiziten sowie zur Förderung fachtheoretischer Fertigkeiten. Auch die Prüfungsvorbereitung sowie erforderliche Kriseninterventionen werden von den Experten geleistet oder organisiert. Ausbildungsabbrüchen soll so frühzeitig begegnet werden, sagt die Agenturmitarbeiterin. Die Kosten der Assistierten Ausbildung übernimmt die Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar, die das Bildungswerk der hessischen Wirtschaft (BWHW) mit der Durchführung des Programms beauftragt hat.

Andere Erklärungsmuster bringen schließlich den Erfolg

Daniela Heine und Paul Sarges vom BWHW betreuen Eduard Bufnila seit Ausbildungsbeginn. Dabei stehen fachtheoretischer Unterricht, Mathematik und Motivationsförderung im Vordergrund ihrer Arbeit. „Wir treffen engmaschig Absprachen mit alle Beteiligten“, sagt Sarges. Einen wesentlichen Vorteil sieht seine Kollegin Heine darin, dass langjährige Praktiker aus den jeweiligen Berufsfeldern der Auszubildenden die Kenntnisse vermitteln. „Für Jugendliche, die den Lehrstoff im Berufsschulunterricht nicht verstanden haben, muss man nach anderen Erklärungsmustern suchen. Dazu fehlt in den Schulen häufig die Zeit. Unsere Dozenten suchen nach alternativen, meist an der Praxis orientierten didaktischen Lösungen und können so die Defizite individuell bearbeiten.“ „Die Lehrkräfte gehen immer auf meine spezifischen Fragen ein, dass macht mir das Lernen leichter“, pflichtet auch Eduard Bufnila bei.

Weil die Arbeitsagentur erneut ihre Kooperation zugesichert hat, entschied sich Klötzner im neuen Ausbildungsjahr abermals für einen Jugendlichen ,aus der zweiten Reihe‘. Die neue Nachwuchskraft hat bereits einen Ausbildungsabbruch hinter sich.

Unternehmen, die sich ebenfalls für eine ,Assistierte Ausbildung‘ interessieren, können sich unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 4 5555 20 beim Arbeitgeberservice informieren. Jugendliche erhalten Informationen unter der Rufnummer 0800 4 5555 00.

Quelle: Agentur für Arbeit Wetzlar

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis