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Wetzlar: Flüchtlinge und Arbeitsmarkt im Lahn-Dill-Kreis

Pressemeldung vom 22. August 2016, 14:09 Uhr

– Arbeitsagentur veröffentlicht migrationsbezogene Arbeitsmarktzahlen
– Steigende Zahl von Asylentscheidungen wird Arbeitslosigkeit erhöhen

Wie die Wetzlarer Arbeitsagentur berichtet, waren im Juli im Lahn-Dill-Kreis 417 Menschen aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern arbeitslos gemeldet. Damit lag ihr Anteil an allen Arbeitslosen im Kreisgebiet bei 5,6 Prozent. Die meisten von ihnen kamen aus Syrien (260), gefolgt von Eritrea (51), Somalia (28) und Pakistan (27). Im Juli 2015 waren noch 185 Arbeitslose diesen Staaten zuzuordnen. Solange das Asylverfahren noch nicht abgeschlossen sei, liege die Zuständigkeit der Vermittlung bei der Agentur für Arbeit. Dort werden neben 115 Arbeitsuchenden aktuell 11 Arbeitslose aus diesen Ländern betreut. Diese geringe Zahl führt die Agentur für Arbeit darauf zurück, dass sich viele Betroffene (noch) nicht bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet hätten, weil sie sich mitten im Anerkennungsverfahren befänden, noch an Sprach- oder anderen Integrationskursen teilnehmen oder aufgrund der bislang unzureichenden Sprachkenntnisse im Moment keine Arbeitsmarktchancen für sich sehen. Eine Verpflichtung zur Arbeitslosmeldung entstünde erst mit der Asylanerkennung. Dann wechselt die Zuständigkeit zum kommunalen Jobcenter Lahn-Dill. Hier sind aktuell 406 Arbeitslose aus den nichteuropäischen Asylherkunftsländern registriert.

Zudem suchten in diesem Jahr 31 Jugendliche Asylbewerber und -berechtigte einen Ausbildungsplatz. 14 von ihnen sind aktuell noch unversorgt.

Im Dezember 2015 waren im Lahn-Dill-Kreis 170 Menschen aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern sozialversicherungspflichtig beschäftigt – 37 mehr als ein Jahr zuvor. Ihr Anteil an allen versicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis lag damit zur Jahreswende bei 0,2 Prozent.

Mythen vom Ausruhen in der ,sozialen Hängematte‘ und Arbeitsplatzklau widerlegt Für Agenturchefin Angelika Berbuir belegen nicht nur diese Zahlen, sondern auch eine Vielzahl von Kontakten mit Geflohenen, Flüchtlingshelfern und Unternehmen vor allem zwei Dinge: „Die große Mehrzahl der Migranten arbeitet -auch unabhängig davon, ob sie eine formelle Arbeitslosmeldung vorgenommen haben- aktiv daran mit, ihre Arbeitsmarktchancen zu verbessern, anstatt sich in der ,sozialen Hängematte‘ auszuruhen. Allein im Lahn-Dill-Kreis haben im letzten Quartal 2015 insgesamt 1.100 Flüchtlinge freiwillig an den von der Arbeitsagentur eingerichteten Einstiegssprachkursen teilgenommen“, so Berbuir. Zudem seien die 354 weiteren spezifischen Qualifizierungsplätze für Migranten im Gesamtbezirk gut ausgelastet. Andererseits widerlege der bislang geringe Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten den Mythos, dass Asylanten Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen.

„Wir gehen davon aus, dass die zunehmende Zahl abgeschlossener Asylverfahren in den kommenden Monaten zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahl auch in unserem Bezirk führen wird. Diese Erkenntnis ist nicht neu und in unseren Projektionen und Planungen bereits seit Jahresbeginn enthalten. Der Arbeitsmarkt zeigt sich derzeit robust und aufnahmefähig – die Stellenmeldungen deuten auf einen konstanten Bedarf an qualifizierten Beschäftigten hin. Wir wissen aber auch, dass sich für einen erheblichen Teil der Asylbewerber kurzfristig kein Arbeitsmarkterfolg einstellen wird. Hier braucht es einen langen Atem und intensive Qualifizierungen in sprachlicher und beruflicher Hinsicht. Für andere Betroffene wird sich der erste Arbeitsmarkt dauerhaft als verschlossen erweisen. Für beide Personenkreise wurden mit dem neuen Integrationsgesetz Instrumente geschaffen, um sie einer sinnvollen Beschäftigung zuzuführen“, berichtet die Agenturchefin weiter. Sofern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht nachhaltig negativ verändern, rechnet Berbuir trotz dieser prognostizierten Entwicklung mit einem weiteren Beschäftigungsaufbau und stabilen Arbeitsmarktverhältnissen im Agenturbezirk Limburg-Wetzlar.

Quelle: Agentur für Arbeit Wetzlar

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