Energiewechsel

Wetzlar: Jede fünfte Lehre endet vorzeitig

Pressemeldung vom 29. August 2016, 13:29 Uhr

– Abbruchquote liegt im Lahn-Dill-Kreis 21,4 Prozent – in Limburg-Weilburg 24,0 Prozent
– Betroffenheit variiert je nach Beruf, Region und Schulabschluss
– Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im Internet abrufbar

Die Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar weist auf eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hin, nach der 2014 mehr als jeder fünfte Ausbildungsvertrag in Hessen vor Ablauf der regulären Ausbildungszeit gelöst wurde. Im Lahn-Dill-Kreis lag die Abbruchquote bei 21,4 Prozent, im Landkreis Limburg-Weilburg bei 24,0 Prozent (Hessenschnitt 22,9 Prozent – Bundesschnitt 24,6 Prozent). Über die Hälfte der vorzeitigen Vertragslösungen ereigneten sich bereits innerhalb des ersten Ausbildungsjahres. Alleine in der Probezeit erfolgten dreißig Prozent aller Abbrüche. Vertragslösungen in den ersten Ausbildungsmonaten haben verschiedene Ursachen, wie das IAB feststellt. Die Erwartungen der Auszubildenden an den gewählten Ausbildungsberuf oder den Ausbildungsbetrieb werden beispielsweise nicht erfüllt. Oftmals haben Jugendliche mit unklaren Berufsvorstellungen eine Ausbildung begonnen und erleiden einen „Praxisschock“. Auszubildende nennen häufig Konflikte mit den Ausbildern als Ursache. Betriebe führen dagegen eher Fehlverhalten der Jugendlichen wie unentschuldigtes Fehlen oder häufiges Zuspätkommen und mangelnde Motivation als mögliche Gründe an.

Schulabschluss beeinflusst die Abbruchquote Schulabgänger mit Hauptschulabschluss lösen häufiger ihren Vertrag als Studienberechtigte oder Schüler mit mittlerer Reife. Ihre Lösungsquote lag mit 34,5 Prozent 2014 in Hessen dreimal so hoch wie bei Auszubildenden mit Studienberechtigung (11,4 Prozent).

Berufe unterschiedlich stark betroffen Eine deutlich über dem Durchschnitt liegende Lösungsquote verzeichnete mit 29,5 Prozent das Handwerk. Besonders niedrig fiel die Lösungsquote dagegen im Öffentlichen Dienst aus (6,6 Prozent). Aber nicht in allen Handwerksberufen ist die Lösungsquote hoch, so brachen nur 5,8 Prozent der Mechatroniker und 6,7 Prozent der Werkzeugmechaniker ihre Lehre ab. Unter den Berufen mit den höchsten Abbruchquoten dominieren nicht nur Handwerksberufe wie Metallbauer (33,5 Prozent) und Dachdecker (33,9 Prozent), sondern ebenso Restaurantfachleute mit 47,2 Prozent und Fachleute für Systemgastronomie mit 39,6 Prozent. Im Transportbereich betrifft es die Berufskraftfahrer mit 47,2 Prozent.

Selten Nachbesetzungen durch die Betriebe In 46 Prozent der Fälle erfolgte die Auflösung des Vertrages auf Veranlassung des Auszubildenden. Bei etwa einem Viertel ging die Initiative vom Betrieb aus, und bei einem weiteren Viertel hatte der Bewerber die Ausbildung gar nicht angetreten. Nur knapp ein Drittel der betroffenen Betriebe hat nach eigenen Angaben versucht, frei gewordene Ausbildungsplätze erneut zu besetzen. Von den auf diese Weise neu angebotenen Ausbildungsstellen konnten etwa 60 Prozent neu besetzt werden.

Lösungsquoten variieren regional Die kreisfreie Stadt Wiesbaden verzeichnete mit 30,3 Prozent die höchste Quote, der Kreis Marburg-Biedenkopf war mit 19,7 Prozent am unteren Ende der Skala zu finden. In 16 von insgesamt 26 Kreisen lag die Vertragslösungsquote unter dem Landesdurchschnitt. Dies galt bis auf Wiesbaden für alle kreisfreien Städte und auch für alle Kreise im Norden Hessens. Im Vergleich zu 2013 sank die Lösungsquote bei der Mehrheit der hessischen Kreise und kreisfreien Städte.

Arbeitsagentur hilft, Abbrüche zu vermeiden Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar, Angelika Berbuir, appelliert an Betriebe und Auszubildende, rechtzeitig nach Lösungen zu suchen, um einen Ausbildungsabbruch zu vermeiden. Häufig könne die Arbeitsagentur durch ihr Beratungsangebot, den Einsatz ausbildungsbegleitender Hilfen oder der Assistierten Ausbildung dazu beitragen, das vorzeitige Aus abzuwenden. „Angesichts der schwindenden Zahl junger Menschen, die sich für eine betriebliche Ausbildung entscheiden, können wir es uns schlicht und einfach nicht leisten, Ausbildungsverhältnisse scheitern zu lassen. Wenn wir das Thema ,Fachkräftesicherung‘ wirklich ernst nehmen, dürfen wir auf kein Talent verzichten“, stellt Berbuir abschließend fest.

Die vollständige Studie im Internet: https://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/service/Ueberuns/Regionaldirektionen/Hessen/ZahlenDatenFakten/Detail/index.htm?dfContentId=EGOV-CONTENT433713

Quelle: Agentur für Arbeit Wetzlar

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis