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Wetzlar: Mehr Jobs trotz Fachkräftemangel

Pressemeldung vom 27. September 2016, 15:24 Uhr

Frauen Union und Christlich Demokratische Arbeitnehmerschaft diskutieren mit Limburger Arbeitsagentur arbeitsmarktpolitische Themen

Mitglieder der Kreisvorstände der Frauen Union (FU) Limburg-Weilburg und der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), haben sich jetzt in der Limburger Arbeitsagentur über die aktuelle Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation informiert. Themenschwerpunkte waren die Beschäftigungslage, der Fachkräftemangel sowie die beruflichen Chancen der Flüchtlinge.

Ralf Fischer, Sprecher der Agentur, hob hervor, dass die Arbeitslosigkeit im Landkreis Limburg-Weilburg im letzten Jahr um 10,3 Prozent gesunken sei. Hessenweit habe nur der Landkreis Kassel einen höheren Rückgang verzeichnen können. In besonderer Weise hätten Frauen und die vom Jobcenter betreuten Arbeitslosen von der guten Entwicklung profitiert. Christine Zips, Kreisvorsitzende der Frauen Union, begrüßte diesen Trend in besonderem Maße und sprach von einer vielversprechenden Entwicklung, die es durch ergänzende Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote zu verstärken gelte. Eine bessere Qualifikation biete Frauen noch bessere Chancen in der Arbeitswelt. Fischer wies darauf hin, dass der Arbeitsmarkt auch wieder ältere Erwerbslose mitnehme. So sei die Zahl der über 50jährigen Arbeitslosen um 8,9 Prozent zurückgegangen. Fischer berichtete weiter, dass der deutliche Rückgang der Arbeitslosigkeit aber auch dazu führe, dass heimischen Unternehmen zunehmend Probleme haben, ihre freien Arbeitsplätze mit den erforderlichen Qualifikationen zu besetzen. Für Entlastung sorge derzeit, dass die Zahl der Einpendler um 5,4 Prozent gestiegen sei. Inzwischen werde jeder dritte Arbeitsplatz im Kreis von einem Arbeitnehmer besetzt, der jenseits der Kreisgrenze wohne. Der CDA-Vorsitzende Lothar Leinz wies auf die Situation von motivierten Ausbildungsabsolventen aus Hartz-IV-Familien hin, denen es trotz des Fachkräftebedarfs nicht gelinge, einen beruflichen Erstansatz zu finden. Für die CDU-Frauen ist ein Teil des Fachkräftemangels ,hausgemacht‘. So würden viele Eltern bei der Berufswahl ihrer Kinder Handwerksberufe von vorneherein ausschließen und alternativlos zum Studium raten. Nicht selten führe das zu Studienabbrüchen oder prekären Beschäftigungsverhältnissen beispielsweise von Juristen, die mit Zeitverträgen und Mindestlöhnen ihr Dasein fristen müssten.

Die CDU-Politiker zeigten sich erfreut darüber, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im letzten Jahr um 3,8 Prozent oder knapp 1.900 zusätzlichen Arbeitsplätzen gestiegen sei und der Landkreis Limburg-Weilburg damit hessenweit eine der Spitzenpositionen einnehme. Den größten Zuwachs verzeichneten der Handel, das Baugewerbe, das verarbeitende Gewerbe und das Gesundheitswesen.

Fischer warf auch einen Blick auf die Arbeitsmarktsituation der Flüchtlinge. So seien im August 312 Arbeitslose aus Asylherkunftsländern registriert gewesen. Dies entsprach einem Anteil von 7,2 Prozent aller Arbeitslosen. Andererseits seien im Landkreis aktuell 577 Asylbewerber und -berechtigte sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Agentursprecher rechnet allerdings in den kommenden Monaten mit steigenden Zahlen arbeitsloser Migranten. Hintergrund sei der sich inzwischen auflösende Anerkennungsstau bei den Asylverfahren. Neunzig Prozent der arbeitslosen Flüchtlinge sei jünger als 45 Jahre – zwei Drittel sogar jünger als 35 Jahren. Hier und vor allem bei den Kindern, sehe die Arbeitsagentur Potenziale, die es für den Arbeitsmarkt zu heben gelte. Christine Zips plädierte dafür, alles zu unternehmen, um jugendlichen Migranten den Weg in die Ausbildung zu ebnen. Nach dem Beheben von Sprachdefiziten seien insbesondere zweijährige Ausbildungsberufe als Einstieg ein Mittel der Wahl. Fischer wies abschließend darauf hin, dass die berufliche Integration für viele Asylsuchende ein steiniger und vor allem langer Weg werden wird. Insbesondere für etliche nicht alphabetisierte, ältere Migranten werde sich der Arbeitsmarkt als verschlossen erweisen. Hier müsse die Gesellschaft Alternativen finden, auch abseits der Arbeitswelt sinnvolle und gemeinnützige Beschäftigungsformen zu finden – nicht zuletzt auch, um die gesellschaftliche Akzeptanz zu fördern. Mit dem neuen Integrationsgesetz sei bereits ein erster Schritt in diese Richtung erfolgt.

Quelle: Agentur für Arbeit Wetzlar

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